Inspektor Terry Barker und die geheimnisvolle Moorleiche
Eine sonntägliche Radtour durch den der Stadt nahen Forst, ein Ausflugsgebiet mit Wildgatter und behaglichen Bänken zum Verweilen. Heute schallten unvermittelt reichlich Polizeisirenen durch den Wald. Am von Fröschen frequentierten Feuchtgebiet hatte man einen Leichnam entdeckt. Der Szenerie nach zu urteilen wurde wohl ein Fremdverschulden nicht gänzlich ausgeschlossen. Aus der Gruppe der Schaulustigen hatten sich zwei ältere Damen gelöst, Räder mit Körbchen an der Hand führend, die der Polizei allerlei verdächtige Beobachtungen mitzuteilen hatten, zweifelsfrei Agatha-Christie-Leserinnen der ersten Stunde. Der die Ermittlung leitende Kommissar, trug einen tadellosen grauen Zweireiher und zündete sich, seinem dunklen Mercedes entsteigend, lässig eine Pfeife an.
Bisweilen ist die Wirklichkeit unrealistischer als noch der schlechteste Fernsehkrimi, jederzeit war damit zu rechnen, daß der Kriminalist nun eine Lupe zückt, seinem selbstverständlich ratlosen Assistenten flugs eine Gewürznelke o.ä. vor die Nase hält und dazu auffordert, Eins und Eins zusammenzuzählen. Die beiden miss-marpleesken Damen waren dazu übergegangen, sich ob der allgemein verschlechternden subjektiven Sicherheitslage zu beklagen und Bedenken zu bekunden, ihren Ausflug unbeschadet fortsetzen zu können, möglicherweise verberge sich der Unhold noch in der Nähe, dort auf weitere Opfer lauernd. Selbst diese herrliche Idylle nun überschattet vom Bösen! In diesem überkandideltem Ensemble hätte ich, mit meiner dunklen Sonnenbrille, ausgezeichnet den Mörder mimen können – der Täter kehrt ja bekanntlich kaltblütig zum Ort des Verbrechens zurück.
24. Juli 2005