Hightatras:

Unser Frieden heißt Krieg

Die Stimme des Vorsitzenden schallt von draussen herein, er spricht vom Hauptaggressor Amerika und seinem Vasall Israel. Die Ansprache wird zur vollen Stunde wiederholt werden. Ich bin mit einer dampfenden Tasse Schwarztee an die Fensterfront der Einraumwohnung herangetreten und blicke hinab auf die verschneite Siedlung Ganymed. Alle Balkone sind zum Kraftwerk ausgerichtet. Die Lokomotive pfeift zur Weiterfahrt. Der Bahnhof liegt bald neunhundert Saschen entfernt, auf halb drei, im Walde. Es ist fünf Uhr sechsundzwanzig, die Bewohner kehren zurück aus den Raketenwerken. Die Strasse zu den Hochhäusern ist von geneigten Laternenpfählen aus Beton gesäumt. Grünblaues Licht von Quecksilberdampflampen. Das Thermometer steht auf minus neunzehn Grad und fällt. Zwei Stunden Sonne täglich. Aus Lautsprechern verliest eine computergenerierte weibliche Stimme die Zeit, alternierend deutsch und chinesisch. Arbeiter der Hand und Arbeiter des Geistes, zu Fuß vordringend, oder rittlings auf Motorschlitten. Rund und neapelgelb steht die Sonne zur blauen Stunde über dem kieferrauhen Horizont der Taiga und die Kühlturmfahnen sind knotig fest und von bleiernem lachsrosa. Männer treten sich die pudschweren Stiefel ab, speien gelbgrauen Auswurf ins frostkrachende Unterholz und fluchen dabei leise. Einer macht einen Witz, man blickt über die Schulter und lacht verhalten. Im Foyer des Hochhauses steht eine Voliere mit Buntspechten – ein Beitrag des Kulturbundes. Einige kleinformatige suprematische Bilder hängen dort und eine collagierte Wandzeitung: Deutsch-Chinesische Raketen im Weltall – Sieg über den Raum! Der Sichtbeton glänzt vom Fett der Menschenhände. Auf die Aufzüge Wartende mit spitz geschnitzten Nasen; es soll Reiskocher geben in Gomel, schwere Verluste hätten sich ereignet in den benachbarten Siedlungen Io und Europa; auch Verwandte seien gefallen im Friedenskampf. Schmutzige Pfützen, mit Koyotenfell verbrämte Anoraks aus Wolpryla, Diesel, Schweiß und gekochte Wurst.
Auf einer grauen Filzdecke zu meinen Füßen liegt ein zahmer Schneefuchs, den ich bei einem Gang im Wäldchen fand, verletzt, mit einem Projektil im hinteren linken Lauf. Er ist genügsam und wortkarg, doch wende ich mich an ihn, so zeigt er sich beschlagen, namentlich die verbotene Literatur betreffend. Seine Stimme ist sanft und er spricht ruhig zu mir, in geschliffenen Hexametern. Ich entfernte das Projektil mit einem schartigen Jagdmesser und reinigte die Wunde mit Wodka. Sein Fell ist grau, da der Schnee grau ist.
Die Kassiererin trägt resedafarbene Thermostiefel aus Kunststoff und eine Schürze, die mit stilisierten Luftschiffen und Unterseebooten bedruckt ist. Sie stempelt meinen Bezugsschein für Morphium. Als vier Millizionäre in Reitstiefeln den Konsum betreten und laut husten senkt sie den Blick. An ihrem Kinn wächst ein Leberfleck, aus dem vereinzelt schwarze und weiße Haare sprießen. Mannshohe Pyramiden aus Konservendosen: Natierka, baltischer Seefisch und Hundefleisch. Draussen fährt ein Konvoi der Armee vorrüber und graue Transporter der Geheimpolizei. In der Nase gefriert der Atem. Die nächtlich verschneite Musikmuschel und eine Kegelbahn, übersät von zerschlagenen Wodkaflaschen.
Später erwacht er, als hätte ich mich mit eigenen Armen dorthin getragen, in schützendem Unterholz, eingemummelt in ein behaglich klammes Bett aus Moos und vergehendem Blattwerk. Vor seinem erwachenden Auge war ein recht großer Steinpilz aus dem aromatischen Waldboden geploppt, an dessen gespanntem Stiel und auch im Schutze des feuchtglänzenden Hutes sich ein weiterer, bei weitem kleinerer Pilz gleicher Rasse und von zartem braun energisch anschmiegt. Trotzdem der andere wohl einige Stunden geschlafen hatte, ist ihm nicht recht wohl; es scheint, als kröchen Wanzen unter seiner Haut. Und der Hut des Pilzes scheint ihm zu oszillieren, bald so, als würde er aus unsichtbarem Gefäss von morbidem grün übergossen, bald innerlich von brombeerfarbenen Valeurs matt durchglimmt. Auch wird er für einen Augenblick von der chimärenhaften Vorstellung eingenommen, in seinem Rücken steckte ein wie toll jaulender Schneefuchs. Ich erwache schließlich durch den Klagegesang der Sirenen. Erneut Überfliegungen durch nuklearbetriebene Schwebepanzer in höchsten Höhen. Mit der silbernen Präzision reinigenden Feuers schneiden unsere Flaktürme einige der unheilvollen Wanzen aus mattschwarzem Titan vom Firmament, die glühend, flitternden Herbstblätter gleich, hinabtaumeln, dann hinabschießen und tief im Podsolboden vergehen.
Um wieder schlafen zu können, ziehe ich mir eine weitere Ampulle Morphium auf.

Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« | Kommentare (4)

Die A

Die A bewohnt eine Einliegerwohnung unter dem Dach, deren Nutzfläche fünfundachtzig Quadratmeter beträgt. An schönen Semptembertagen etwa, wenn sich der Himmel makellos hellblau und recht freundlich über der stattlichen Alpenkulisse präsentiert, man allenthalben den Wanderschuh schnürt und ein milder Wind von Italien her geht, verlasse die A ihre Wohnung nicht, wohl aus Prinzip und psychischer Disposition, und halte die Fenster fest geschlossen, ferner seien die Vorhänge zugezogen – darin läge wohl auch maßgeblich ihr fahler Teint begründet. Man höre sie kaum gehen in ihren Räumen; die A gleicht einem Hausgeist oder einem scheuen Waschbären lässt sich dem entnehmen, was über A gesagt wird.
Eines Abends, da die Wipfel der Tannen schwarz und unruhig vor dem Fenster wogten, gewahrte ich durch die angelehnte Stubentüre, wie ein mit einem Damenschuh in Trachtenoptik bekleideter Fuß vorsichtig tastend und – aufgrund von nachttierhafter Routine – bar jeglichen Knackens auf die vom Dachgeschoss steil herabführende Treppe aus Eibenholz gesetzt wurde. Der Spann des Schuhs war mit einer schön ziselierten Silberspange besetzt, soweit im Zwielicht und bei allem Willen zur Wahrung der Intimsphäre erkennbar war; der Fuß gehörte zweifelsfrei der A – wie sich unschwer schließen und kurze Zeit später auch beobachten ließ – die auf Vollgummisohlen weitgehend lautlos durch das Vorhaus in Richtung Garage schwebte, kalkweiss geschminkt und angetan mit einem burgunderfarbenen Dirndl, ihrem Ruf gemäß twinpeaksartig und somnambul. Es seien stets jene nasskalten Nächte, wie es diese Nacht ist, die von flatschig herniedergehendem Schneeregen bestimmt ist, die die A nutze, um mit ihrem japanischen Kleinwagen auszufahren, der – bei Tage besehen – in der Farbe geronnenen Ochsenblutes lackiert ist. Zudem mit unbestimmten Fahrtziel, wie man mutmaßt und mit gedämpfter Stimme auch gegenüber Dritten äussert. Über Bergstraßen, auf denen oft Sichtweiten unter fünfzig Metern herrschen, wie anzunehmen ist, führe die A; auch auf Straßen, deren Asphaltdecken nicht selten bereits vor Allerheiligen mit einer filmartigen Eisschicht im Mikrometerbereich überzogen sind – wenn nicht gar auf Forststraßen, mittels Betonröhren von frischen Bächlein unterquert, die sich, trotz aller Unwirtlichkeit in Form von Totholz und Dornengespinsten, dieser ganzen vermoosten und finsteren Feindlichkeit der von Murengerümpel völlig verstellten Wildnis, munter sprudelnd Bahn gen schwarzes Meer brechen.
Das schwere Gravitationsmonster aus Stein gebiert menschgemachte Schwere, die Gemütlichkeit vorstellt: also moosgrüne, eigentlich schwarzbraune Kachelöfen, schmiedeeiserne Ampeln, dunkelgebeizte Kästen und Tramdecken, Schnitzwerk, Irdenes, Wollenes, Sammelteller als Träger von Illustrationen, die Waidwerk und fanatisches Bergbauerntum verherrlichen, rehbraune Polster mit alpenländischer Stickarbeit reichlich verziert und einhundert Trophäenbretter mit angenageltem Geweih. Ein uriges Stocknageluniversum, begeistert von einer Million untoter Bambischädel, deren Seelen wohl in Elfriede Jelinek reinkarnierten.
Als ich einmal ein Lebensmittelgeschäft verließ – kein Plastiksackerl zur Hand – folglich die Arme voller Brot und Fett, standen vor dem bleigrauen Schneehimmel plötzlich schwarze Helikopter des Bundesheeres, fix und stoisch zugleich wie diese Vietnambrummer.
Die A hat jedenfalls alle, in ihrer als möbliert vermieteten Wohnung enthaltenen, Kästen und Polster in die Garage schaffen lassen, und durch neue Möbel ersetzen lassen. Moderne Möbel, bei deren Verarbeitung Leichtmetall, helle Buchenfurniere und ornamental mattiertes Glas Verwendung fanden. Man sagt, ihre Wohnung sei nun nach Feng-Shui-Prinzipien eingerichtet, die A sei eine Verfechterin des Feng-Shui-Prinzips und zudem überaus sensibel gegenüber Strahlungen und so. Führe sie mit ihrem Auto an einem der Häuser unten in der Kurve vorbei, so J über A, spüre sie das Unheil, das dort herrsche, wie sich ein dräuendes Unwetter in juckendem Narbengewebe bemerkbar macht. Hinter den Türen lege man dort Kälbern eine Kette um ein Hinterbein, zöge sie zwei Meter hoch in die Luft und schnitte ihnen, unempfänglich für die flehenden, hübsch bewimperten Augen, die Kehle durch. Der Dechant sei gekommen, als das Schlachthaus eröffnet wurde und habe das Haus und die Fleischhauer gesegnet.
Der Mensch selbst stirbt in der Regel wegen Schnellfahrens oder weil beim Abschruppen eines von Flugrost befallenen Balkonkastenhalters die Scheibe des Winkelschleifers birst und einzelne Werkzeugfragmente durch die Schädelplatte hindurch direkt in das Gehirn eindringen, das die Erben später mit dem Kärcher beigehen müssen. Man kann das alles in den Zeitungen nachlesen. Oder auf geschnitzten Schildern am Wegrand, die über vergilbte Männer berichten, die unglücklich auf Schneebretter traten oder bei der Gamsjagd durch spontane menschliche Selbstentzündung ehrenhaft vergingen.

Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« | Kommentare (0)

Herr No unternimmt eine Bootspartie (Behelfsüberschrift)

Dies sei sein täglicher Weg zur Arbeit, sagt ein Mann und weist vage in eine Richtung, in der eine Straße zwischen Hochhäusern und Supermärkten recht geradlinig und mehrspurig verläuft. Es sei eine schöne Gewohnheit dort entlangzufahren, mit dem Auto, auch wenn die morgendliche Fahrt durch ungünstige Ampelphasen getrübt werde, so der Mann. Die Fassaden der Häuser sind akzeptabel renoviert, vorwiegend in vitalen Buntfarben. Durch die Vielzahl der Supermärkte und Tankstellen entsteht eine gesunde Konkurrenz, von der der Verbraucher im Endeffekt nur profitiert. Da und dort einen geeigneten Parkplatz zu finden sei beschwerlich. In einem Urlaubshotel sei lauwarmes Essen serviert worden; an einem anderen Ort seien hingegen die Speisen befriedigend gewesen, also schmackhaft, wohltemperiert und reichlich, auch liebevoll angerichtet und vergleichsweise preiswert, sagt man. Geplant ist eine Fahrt mit einem historischen Ausflugsdampfer, wie dem Gespräch, das der Mann mit einer neben ihm sitzenden Frau führt, zu entnehmen ist. Der Spätsommer sei eine Herausforderung an die Menschen, die geeignete Kleidung zu wählen, morgens, vor dem Dienst, so die Frau. Ist man in der Septemberfrühe, deren Luft mitunter schon herbstlich frisch ist, recht gekleidet, so transpiriere man in den noch sonnenreichen Mittagsstunden und umgekehrt. Er setze auf das sogenannte Zwiebelprinzip, erwidert der Mann munter und zupft leicht an einem braun, violett und weiß gestreiften Feinstrickpullunder. Die übrigen, den Leib des Mannes umhüllenden, Textilschichten bestehen aus einem resedafarbenen Hemd, sowie einer erbspüreefarbenen Übergangsjacke.
Die Zeit strömt, durch Geburten, Todesfälle und Ähnliches nur notdürftig strukturiert vorüber. Dem, der nicht dem Äther folgt, bietet ein ebener Parcours von schönen oder nützlichen Körpern aus Metall, Stein, Fleisch, Kunststoff oder Glas eine gewisse Führung, wie eine intelligente Flipperkugel, die, aus sinnvollen und kybernetischen Gründen, um eine ruhige, also an Wendepunkten arme Laufbahn bemüht ist. Freudiges Aufgehen in einfältiger Istigkeit oder das erhabene Verheddern in elfenbeintürmischer Metaschwuchtelei scheinen mir zwei wesentliche Abgründe menschlicher Gratwanderung zu sein.
Der Sommer sei nun vorbei, sagt eine Frau. Sie sitzt in einer, von einem Ölradiator übermäßig geheizten, Gaststube eines Bootsverleihs auf einem weißen, von Posamenten verzierten Kunstfaserkissen auf einem Küchenstuhl. Man kann Würste mit Mostricht kaufen und Kindlbierflaschen. Sie trägt eine formlose Strickjacke und ist die Betreiberin des Bootsverleihs. Auch krieche die Feuchtigkeit vom See hinauf, sagt sie – wohl in die Knochen, denke ich – und sie deutet auf einen Bilderrahmen an der getäfelten Wand, dessen Passepartout sich leicht wellt, als Indiz. Es ist die gerahmte Photographie eines weißen Riesenpudels mit ordentlich parallel ausgerichteten Vorderpfoten, der, als er noch lebte, auf dem gleichen, floral gemusterten Fußbodenbelag lag, auf dem ich jetzt stehe um ein Ruderboot zu leihen und der ausgetreten ist, da jeder, der ein Ruderboot zu leihen wünscht, hier stand und einst stehen wird. Die Einrichtung ist vergilbt aber abwischbar und es riecht nach gepflegtem Verfall. Auf dem Wasser des Sees schwimmen Blesshühner, die melancholische Geräusche machen und verletzlich wirkende Schwimmerköpfe. Nach der einstündigen Ausfahrt habe ich mehrere Blasen an den Händen.

Thematischer Schwerpunkt: »Ausdruckstanz« | Kommentare (2)

Auf dem Balkon

Meiner Stadtwohnung ist ein Balkon vorgelagert, der sich nach Westen öffnet. Eine Brüstung aus nach oben abgerundetem Beton, scheidet den Hinaustretenden, in die Spätsommersonne Blinzelnden von der Tiefe. Noch vor wenigen Tagen war die brusthohe Brüstung noch nachts handwarm von der tags gespeicherten Sonne, daß sich der Rücken an den nackten Beton legen und behutsam gen Abgrund überdehnen ließ, bis es zart knackte. Das Wasser sinkt zurück, bald gelb, bald rotbraun schleicht sich der Verfall in die Decke der Baumkronen. Und an einem Nachmittag, als ich auf dem Balkon in einem Stuhl sitze, an einem Tisch aus Holz und eine Madeleine in eine vornehme Kaffeetasse tauche, hebt hinter der Brüstung – die, so sitzend, das Blickfeld des Sitzenden zu einem stillen, aber nicht stillstehenden Panoramarechteck aus von Wolken überschliertem und von glühenden Flugzeugparabeln durchschnittenem Cyan ebenso verengt wie erweitert – ein Getöse an, der anschwellende Gesang von Martinshörnern zunächst, dann das hastige Geräusch von Stiefelabsätzen und knappe, so wohl als professionell geltende, einem wohl berufsintern geltendem ungeschriebenen Code gemäße, barsch ausgestoßene Kommandos. Auf dem Parkplatz stehen Männer, angetan mit mutmaßlich schwer entflammbaren Uniformen, die sich routiniert himmelblaue Gummihandschuhe überstreifen. Über einhundert Balkonbrüstungen lehnen Schaulustige; die Köpfe schießen gleichsam pilzgleich hervor, um sodann, sich der Schwere hingebend, stier blickend gen Geschehen zu sinken. Der Ausleger eines zwischenzeitlich in Positur gebrachten Leiterwagens, an dessen Ende ein – ein bis zwei Feuerwehrmännern fassender – Korb aus Leichtmetall befestigt ist, auf dessen Seitengestänge eine reinlich weiß bezogene Bahre in ein offenbar raffiniertes Bajonettsystem eingeklinkt wurde, ruckt, einem sedierten Roboter nicht unähnlich, zögerlich, doch zweifelsohne zielgewiss gegen ein Wohnungsfenster im ersten Stock. Man weiß nicht was vorgefallen ist tuschelt man, das Leben ist von Anonymität geprägt so die Nachbarn – sinngemäß – und die Stimmen verebben, als nach einiger Zeit eine fahle, partiell von blauschwarzen Malen gezeichnte Frau, auf mechanischem Luftbett zur asphaltüberzogenen Erde schwebt; als ein abstraktes Fleisch sanft in die Gummihände von Sanitätern fällt und jäh ein Strahl Regensonne in ihr starres Gesicht fährt. Der Blick aus den eintausend Augen nach unten, ihr Blick, so sie denn blickt, nach oben; ein Bild für irgendetwas, das sich da und dort einbrennt in Hirnmasse. Und ich halte ein Süßgebäck in der linken Hand, halb hinter der Brüstung, als wäre es ein Glas Burgunder mit Erdbeeren.

Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« | Kommentare (2)

Bericht zur subjektiven Bedrohungslage

Myop plierend und mit Hang zu einer Rückenfehlstellung beugt sich ein Handelsreisender von 46 Jahren über seinen Computermonitor, der die Zellen einer Tabellenkalkulation darstellt. Durch die industriell gestanzte Trinköffnung eines großgastronomieüblichen Polystyroldeckels, wie er zum Verschließen von heißgetränkegeeigneten Hartpapierbechern Verwendung findet, lässt der Handelsreisende einen hastigen Schluck Kaffee in seine Speiseröhre rinnen, sodass im Rahmen der pharyngealen Transportphase eine uneindeutige, wohl aber auch mit der Getränketemperatur zusamenhängende Grimasse über das scharf rasierte, doch weich geschnittene Gesicht des Handelsreisenden huscht – das Gesicht eines betagten Kindes. Der Handelsreisende belegt einen Fensterplatz mit Tisch, in einer Ruhezone der ersten Wagenklasse. Die Regenwahrscheinlichkeit ist hoch; bald ins tintig pechschwarze, bald ins königsblaue spielende Stratocumuluswolken haben sich tief zusammengeballt und umfasern die orangerosa und schemenhaft über der Grundbach-Talbrücke emporsteigende Sonne stark bis sehr stark, sodass eine ebenso dramatische wie pittoreske Lichtsituation von maximal 43 Lumen pro Quadratmeter herrscht, dort draussen – jenseits des Verbund-Sicherheitsglases, vor dem die Kulturlandschaft des Weserberglandes vorübergleitet; wo, wenn nicht die Scholle vom Beton der Profanbauten versiegelt ist, gemäß Raumnutzungsplan alternierend Forstwirtschaft und Ackerbau betrieben wird. Mit von gespenstischer Geräuschlosigkeit geprägter Geschwindigkeit schnellt der Schnellzug nun, nach einer Passage durch Forst, gravitätisch hinaus in das Freiland und der Zugführer wird seine Fahrweise den Gegebenheiten anpassen, er wird mit Seitenwinden rechnen, er wird sich dräuenden Wildwechsels bewusst sein. Siehe, da stehen zwei Stück Rotwild (mit ungefegtem Geweih) auf einem Flurstück und äsen; der Boden ist durch Frühnebel bewabert wie ein französischer Edelschimmelkäse von flauschig weißer Pilzkultur. Das Sitzplatzkontingent des Zuges von 658 Sitzplätzen ist zu nur 47% ausgelastet, somit unwirtschaftlich, leider, wobei 69% der Belegung auf Geschäftsreisende und 29% auf Reisende mit privaten Beweggründen entfallen, 2% machten keine Angaben. Der gegenüber früheren Baureihen verbesserte Sitzabstand von acht Zentimetern stellt objektiv ein geldwertes Komfortmerkmal dar.
Eine Mutter und ihr Kind reisen in einem Mutter-Kind-Abteil; das Kind, ein blonder Bub – neun Lenze jung – spielt auf der taubengrauen Auslegware mit einer realistischen Szenerie aus Fahrzeugen, Menschen und Gebäuden aus Kunststoff. Die Mutter, ein alleinerziehendes Frauenzimmer von 35 Jahren, ist in die Lektüre eines kleinen klebegebundenen Lehrbuches versunken, sie bereitet sich so auf den Toefl-Test vor, und würde, fragte man sie nach der Motivation ihres Handelns, berufliches Fortkommen als Grund anführen. Sie trinkt aus einer vom Einwegpfand befreiten PET-Leichtflasche, ein Getränk mit Rooibos-Auszügen und trägt die Haare eingedreht, wie es der Mode ihrer Peergroup entspricht. Später wird sie dem Privatfernsehen, auf die Frage, wie sie sich währenddessen fühlte, antworten, sie habe schnelle Schritte, ein dumpfes Stampfen, gleichsam ein Rennen auf dem Gange gehört, jedoch nichts gesehen, da die schwefelgelben (RAL 1016) Vorhänge, die sie vorzog um Intimsphäre zu erzeugen, ihr die Sicht auf die Vorgänge verschleierten. Die schweren schmiedeeisernen Zeiger der Uhr rückten eben auf halb zehn, als die Sonne scheu durch das wasserblaue Wolkendickicht (RAL 5021) auf den urbaren ostfälischen Keuper jenseits des Endelskamptunnels hinabblinzelte, hinab auch auf den rotweißen Pfeil aus Titanstahl, der die Reisenden – jung wie alt – in alle Teile unseres Landes trägt und der die endlosen Maisfelder beiderseits des Gleiskörpers mit futuristischer Anmut zerschneidet, gleichsam durch ein Meer aus Grün pflügt – ein grünes Meer aus Blattwerk, dem der hier verwurzelte urige Landmann, mit schweren, Dieselöl ausschwitzenden Maschinen und großen Händen – wenn es dann endlich, endlich an der Zeit ist – mühevoll das Korn abringt – der Mais, das gelbe Gold Niedersachsens (jährlich 12 Millionen Tonnen). Dank Neigetechnik beträgt die Reisegeschwindigkeit – wie vom Leitstand vorgesehen – 160km/h und alle Anschlusszüge würden erreicht werden, wenn nicht plötzlich, aus heiterem Himmel, gänzlich unerwartet dem Maislaub bislang verborgene Reiter entsprengten und ihre Pferde so antrieben, das aus den Nüstern der Tiere der Rotz flatterte, die Mäuler japsend weit aufgesperrt wären und die Adern an den Pferdeköpfen anschwöllen um die erforderliche Leistung abrufen zu können. Es handelt sich um einen Hinterhalt, den Banditen vorbereiteten, kaltblütig und von langer Hand geplant wie man sagt; vierschrötige Männer, die lederne Ponchos tragen aus Hyänenleder, Augenklappen und Flinten, denen rote Federn im filzigen Haar stecken, deren faltig gegerbte Verbrecherhaut zu nicht geringen Teilen benetzt ist von grünem Schleim mittlerer Viskosität und die rasch reiten, im gestreckten Galopp. Die Reittiere – ausnahmslos schwarze Mustangs – sind scheinbar wie vom Teufel besessen, so flink ackern die Beinchen, daß das Auge des Betrachters nur mit Mühe folgen kann. Und so präsentieren sich die Banditen auch für die Reisenden des Schnellzuges recht barbarisch und entmenscht, wie sie gröhlen – so atonal und wölfisch, wie der Wind in ihre hundertfach geflickten Röcke fährt, wie die mordlustig geschwenkten Hiebwaffen in der Morgensonne blitzen und nicht zuletzt, wie von den wulstigen Unterlippen goldbraun der Fusel perlt.
Später: Wie ist also die Sicherheitslage im Inneren des Zuges? Wie wird sich die Situation in dem okkupierten Schnellzug entwickeln, werden von jugendstilhaftem Flor umspielte Jungfrauen auftreten, gleichsam aus dem Äther in die Szenerie herabschweben, und unter Streicherklängen mit weißen Zehenspitzen das stählerne Dach des Eisenbahnwaggons sanft durchstoßen, als handele es sich um die spiegelglatte und mit einer Vanilleblüte verzierte Oberfläche eines ziegenmilchhaltigen Wellnessbades? Oder wird der 46 jährige Handelsreisende seinen Geschäftstermin in Fulda verpassen und wird ferner die 35 jährige, alleinerziehende Mutter ihr Toefl-Zertifikat nicht ablegen können, da sie zu Objekten eines feige und hinterhältig durchgeführten Massakers degradiert werden? Gleich! Achtung, werte Rezipienten, der nachfolgende Text ist für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet.
Der oder die Täter haben sich ein Opfer aus der verhuschten Masse der grauen Menschen herausgepickt, sie schubsen das Opfer umher und johlen dabei, wie es dem Habitus von Gewohnheitsverbrechern entspricht, eine amorphe Tätermasse und ein Opfer, dessen Physiognomie von Adrenalin entstellt ist, das jedoch nicht gesichtslos ist, es besteht eine emotionale Verbindung zwischen Ihnen und dem Opfer, es handelt sich um den eingangs skizzierten 46 jährigen Handelsreisenden, der einen Retriever-Mischling, eine bildhübsche Ehefrau und zwei großäugige Kinder (die einmal zum Mond fliegen möchten) hinterlassen wird und dessen Gedärm sich, durch einen kühnen und voller Hass ausgeführten Schnitt in die Bauchdecke auf die taubengraue (RAL 5014) Schlingware des Schnellzugbodens ergießt und sich dort windet; milchig hellblau und warm, von einem ermattendem Wimmeln leicht bewegt wie ein liederlicher Haufen von roséfarbenen Würsten in zartem Saitling, die kürzlich mit obszön schmatzendem Geräusch einer Produktionsmaschine des vieh- und fleischverarbeitenden Gewerbes entflutschten. Disclaimer: Der oder die Täter gerieren sich wie Tiere, indem sie ihr Opfer wie Vieh behandeln. Die perlweiße Wandverblendung (RAL 1013) ist ebenfalls über und über mit Fahrgastblut (RAL 3009) bespritzt, als handele es sich um eine Arbeit aus der imaginären roten Phase des Kunstmalers Jackson Pollock auf Polycarbonat. Diese True-Crime-Schilderung wurde Ihnen nicht präsentiert um Ihre Sensationsgier zu stillen, sondern um Ihnen ein plakatives Abbild (enthält Amateurbilder) von der Verworfenheit der Welt zu liefern.
Wenig später: Politiker aller Parteien reagierten einhellig mit Bestürzung und verurteilten den Anschlag als hinterhältig und feige. Die Welt wird nun nicht mehr so sein wie vorher, so ein Sprecher. Können Sie bereits Angaben zur Anzahl der Täter machen? Währenddessen: Mitten im Leben umfangen vom Tod, so ein Aphorist. Viele Menschen im Land sind sprachlos; es sei unfassbar, so eine Passantin (64, brünett, Mutterkreuzträgerin). Augenzeugen sprechen von mehreren Tätern, die Männer seien vermutlich zu allem entschlossen und stünden offenbar unter dem Einfluss von Drogen (Quelle: Internet). Blamm! Blamm!

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Herr No wird sich zu Stein am Rhein vorerst nicht äussern

Es ist gleichsam ein kulturgeschichtliches Terrarium, dieses Gebäude an einem Unort, ein potemkinsches Alpendorf unter einem Glassturz. Gastronomische Betriebe, die einen künstlichen Dorfplatz säumen, vor denen Stühle stehen, gleichzeitig drinnen wie draussen, für die Fremden. Romantische Geschäfte in denen urige Agrargüter angeboten werden, wie Schinken, der pittoresk von der Tramdecke baumelt und Wein, Pizza, Espresso, aber auch Benzin, Kaugummis, Almdudler solche Waren eben. Schaurig stier blickende Bauernpuppen stehen hinter den Fenstern der Obergeschosse ohne Tiefe, Geranien aus Kunststoff, falsches Kamingeflacker, Sensen, Heuballen und zahlreiche weitere Requisiten dieser Art. Als ich die Treppe hinabsteige, zu den Toiletten, eröffnet sich vor mir eine weite aber niedrige Halle, ähnlich wie in einem Bunker vielleicht, senffarben gestrichener Beton und verschiedene Metalltüren in unterschiedlichen Bunttönen, ein Leitsystem wohl, das mich nicht leitet. Schräg vor mir geht eine kleine Frau mit einem schweren Hüftschaden die Treppe hinunter und mit jedem Schritt wogt ihr Leiden durch den ganzen Körper. Ich möchte jetzt nicht behaupten, daß ihr behinderter Leib lange Schatten auf die Betonwand warf, aber so ähnlich. Ein österreichischer Keller, der sich schnaufend und schnell schließende Schiebetüren aus Stahl erahnen lässt und Videoaugen und andere krasse Psychoscheiße. Eine lange Flucht von Toiletten, wohl bald an zwanzig Einzelkabinen zur Defäkation, vis-à-vis eine Wand aus Spiegeln und alle weiteren Flächen sind mit anthrazitfarbenem Naturstein verkleidet, der die wohl überreichlich vorhandenen Innereien aus Steuer- und Regeltechnik gegenüber dem Menschen abschließt. Nach dem Hände waschen ist der Gast gehalten seine noch tropfnassen Hände in eine der schwarzen Mösen aus Plastik einzuführen, die in die Wand eingelassen sind und in denen es bei Annäherung erheblich zischt und braust; Glory Holes mit direktem Zugang zur Hölle, tatsächlich negative Hochdruckreiniger also Sauger, die auch auf Antimaterie und Orgonenergie basieren mutmaßlich. Vorher, an einem anderen Ort, las ich mir ein Schild über Pilzrecht durch und verzehrte zeitgleich ein Sahneeis am Stiel, welches von einem tropischen Fruchtsorbet ummantelt war, dabei lachte ohne Unterlass die Sonne und droben am Berg kalbte die Pasterze. Später, hinter den Tunnels und Pässen wuschelten die Bäume hinter den Lärmschutzwänden ihre Kronen wie Cheerleader ihre Pompondinger, also hysterisch und etwas aufreizend und der Himmel verfärbte sich in einer Weise tintig schwarz, die als Indiz aufgefasst werden konnte; ferner lagen einige Seen ganz selbstverständlich in die Topografie eingebettet vor, wie Laubsägearbeiten in glühender Bronze, da zudem die Nacht hereinbrach und so die späten Strahlen in spitzem Winkel reflektiert wurden. Sand in der Luft, Alpensand, ein feiner Grieß im Auge, den der Westwind dorthin plazierte; auch ein Plastiksackerl aus Polypropylen war zu beobachten, das sich zunächst gravitätisch tänzelnd emporschraubte, dort mit einem knispligen Plopp entfaltet und mit Aplomb aufgebläht wurde um rasante Fahrt durch die Lüfte aufzunehmen, begleitet von Ästen, Blättern und Papieren, die die Passanten fortwarfen. Ein Unwetter also, mit Toten und Verletzten und Sachschäden in Millionenhöhe. Schließlich ein Fall für die Versicherungen und Rückversicherungen. (Natürlich waren auch taubeneigroße Hagelkörner an der gespenstischen Szenerie beteiligt.) Ich besichtigte zuvor ein Haus in höchsten Höhen, da ich ein Haus zu kaufen beabsichtige; ein Anwesen, das ich einer Mischnutzung aus adalbertstifterscher Bergidylle und grimmiger Alpenfestung zuzuführen gedenke; von dem ich nicht zur Schwarzwildjagd ausreiten werde, wie es früher der Hammerherr tat, noch werde ich eine Frau zum Weib nehmen, die des Jodelns mächtig ist. Reichte man mir zum Vertragsabschluss ausgelassen ein Glas Schaumwein, tränke ich die Flöte nur aus Gründen der Etikette leer, da ich mir nichts aus moussierenden Weinen mache, wie Sie wissen müssen. So ist es mein. Im Fernseher wird gezeigt, wie die Polizei mit unbekannten Leichen verfährt; sie nimmt die leblosen Leiber mit in ihre unterirdischen Polizeilaboratorien, schneidet sie mit Messern auf und dann finden Wissenschaftler heraus, welche Umweltgifte in den Innereien der Opfer vorliegen, die bleihaltigen Antiklopfmittel aus Kraftstoffen seien ein Anhaltspunkt, wie man sagt. Es handelt sich um die und die Chemikalie, also kommt das Opfer da und da her, meist aus dem Ausland oder aus Russland, wie der Beitrag durchblicken lässt. Die Liegenschaft wird byronisch bewirtschaftet werden, man wird am Flügel stehend Kunstlieder singen und im von Stirnlampen durchschnittenen Morgennebel die mit Unschlitt eingeriebenen Wanderstiefel aus Kernleder binden um verbliebene alpine Probleme zu lösen. Wäre ich Schriftsteller, schriebe ich hier zwei bis drei Jahrhundertromane, würde aber bei der Arbeit manchmal schludern und oft dösend aus dem Fenster blicken zu den Gipfelkreuzen hinauf und dem sattgrünen Tann im Tale oder einfach Playstation zocken. Post Mortem führte man literaturbeflissene Touristen durch das Objekt – in Pantoffeln. Und eine lispelnde lesbische Literaturwissenschaftlerin, die sich durch derlei Führungen einen schmalen Salär verdiente, herrschte zierliche Japanerinnen an, die den Versuch wagten, mit den kleinen Fingerchen heimlich über die schartige Oberfläche des wuchtigen und ungemein charaktervollen Schreibtisches aus geflammter Eiche zu streichen.

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Stichwort segmentale Körperanhänge – befindet sich die Evolution auf dem Holzweg?

Blicke ich in einen Spiegel, so beschleicht mich erneut das Gefühl, daß Haare komisch sind. Je mehr Haare, desto komischer. In Badezimmern mit fließend Warmwasser lässt sich das Haar mit duftenden Shampoos fein waschen, mit dem Föhn in seidige Wellen, in beliebige Formen legen, doch wehe, eine Böe fährt hinein, wenn der Mensch das Freiland betritt, denn mit dem Winde lagert sich der Abrieb von Autoreifen und Blütenstaub ab; Kleinstinsekten verschlägt es aus physikalischen Gründen in dieses Towuhabohu aus Hornfäden und nicht wenige finden im Haar, welches wegen Verwirbelungen unweigerlich Werg wird, ihre letzte Ruhestätte.
Wäre ich ein Marsbewohner, eine elektrisch schimmernde und schwebende – einen Supercomputer ummantelnde Kugel aus Panzerglas etwa, und wollte mir interessehalber einen Eindruck von der, die Erde bevölkernden Fauna verschaffen, so stünde ich speziell dem Konzept Säugetier, mit seinem Fell und dem ganzen inneren Geblubber und glibschigem Gekröse ohnehin mehr als kritisch gegenüber; am wenigsten jedoch überzeugte mich wohl der Mensch, mit seiner partiellen Behaarung und den daraus naturgemäß resultierenden riesigen und von Talgdrüsen durchbrochenen Hautflächen, die mich, nicht nur als Supercomputerglaskugel, an hügelige, einst von fruchtbar humiden Urwäldern bedeckte Landschaften erinnern würden, die dann und dann König Sowieso abholzen ließ um eine Kriegsschiffflotte bauen zu lassen oder zum Heizen. Ein Koalabär oder ein Hund ist, im Gegensatz zum Menschen, bezüglich seines Haarkleides wenigstens in sich konsistent und verfügt zudem über vergleichsweise flauschige und allgemein anerkannt hübsche Pfötchen, mit denen er vortrefflich in seinem Habitat umhertapsen und einfache, den Arterhalt betreffende Handlungen durchführen kann. Der Mensch, unbeirrt von Jahrmillionen des Scheiterns, des sich immer und immer wieder Aufrappelns, versteht es jedoch vermittels seiner ästhetisch umstrittenen Extremitäten in modernen und abstrakten Arbeitsprozessen Mehrwert zu erwirtschaften. Als Zerspanungstechniker etwa oder als Floristin auf einem internationalen Flughafen. Kuppeln, Gas, Bremsen: auch einem zeitgemäßen Fuß wird heutzutage einiges an Motorik und Koordinationsvermögen abverlangt. Ein Nappaleder-Berufskraftfahrerfuß, von stremmenden weißen Sportsocken umhüllt, an deren Ferse sich fettreiche Fußausscheidung sukzessive zu gelblichem Grind verdichtet, ein Eldorado des Nagelpilzes, durchklungen vom schwachen aber kehligen Klagelied der kleinen Zehen, die die Evolution schon seit geraumer Zeit auf dem Kieker hat.
Ungezogene Grapschhände, aufgeblasenen Gummihandschuhen nicht unähnlich, die werksseitig mit Wurstfingern ausgestattet wurden und die bleich wie Maden sind, von vereinzelten, sich kläglich ringelnden blonden Haaren besetzt, fleischig, zerschrunden und ungelenk, greifen nach Lebensmitteln, welche ich als Verbraucher gezielt verschiedenen SB-Theken entnahm, da sie meinem Anforderungsprofil weitgehend entsprechen, die, da der mich betreffende Bezahlvorgang einvernehmlich abgeschlossen wurde, mein Eigentum darstellen, werden ungestüm, in einer groben Form der Geschäftigkeit zur Seite geschoben, um Platz zu schaffen für eingeschweißte Güter, hinter deren transparenter Haut aus Kunststoff teilweise Tierblut schwappt, welches unterschiedlich große, sich aus Gründen der Oberflächenaktivität zu Gruppen fügende Bläschen wirft. Während des Erfassungsvorganges größerer Gebinde, die vermittels eines externen Handgerätes durchgeführt werden, zuckt gelegentlich ein roter künstlicher Strahl über den Oberkörper der jungen Kassiererin, deren Klarname auf einem, über ihrer linken Brust dauerhaft befestigten, Schild ausgewiesen ist. Meine Lebensmittel und Früchte werden regelrecht geworfen, geschleudert kann man sagen, unachtsam und wiederholt widerrechtlich berührt um Raum zu schaffen am Fuße der Warenrutsche für das Eintreffen von grellen Limonaden in Sichtverpackung, Phil-Collins-DVDs (sinngemäß, Abb. ähnlich) und natürlich, wie erwähnt, Fleischbrocken mit unsichtbaren Madeneiern auf gelbem Styropor in Blister aus Dinosaurierleichen. Speziell meine Früchte also, die ich mit Bedacht auswählte, erhalten durch die ungeheuerlich unsachgemäße mechanische Behandlung nicht gewünschte Druckstellen und von der Greifhand stammende Bakterien und widerlich wimmelnde Viren lagern sich auf der Fruchtoberfläche ab, daß ich recht gerne eine 45er aus meinem imaginären, mit Westernmotiven bestickten Schulterholster aus Büffelleder zöge, und dem Mann mit den hässlichen Blähhänden das beschissene Gehirn rausbliese, daß ein feiner Blutnebel die feilgehaltene Convenience-Kost netzte und Teile der hinteren Schädeldecke, das paarige Scheitelbein Os parietale etwa, im Bereich der Unterhaltungselektronik abregnete, da es dem aufgedunsenen Jüngling offensichtlich am rechten Benehmen gebricht, sodann die ebenfalls madenhaft ungeschlachte Partnerin des Flegels, die Kassiererin sowie herbeieilendes Sicherheitspersonal und so fort, bis alle fünfzig Magazine aus meiner Anglerweste leer wären und das ganze verfickte Einkaufszentrum in den Flammen der Gerechtigkeit verginge (selbstverständlich unter Freisetzung von Dioxin) – so aber beschränke ich mich darauf, leicht die Stirn zu runzeln.

Thematischer Schwerpunkt: »Ausdruckstanz« | Kommentare (0)

Neues aus den Ostgebieten

Plötzlich erscheinen drei Menschen und packen einen älteren Mann recht barsch am Arm. Wahrscheinlich habe ich aber nur nicht so richtig hingesehen zunächst, da ich, an einer S-Bahnstation wartend, etwa Schwalbensilhouetten am Abendhimmel beobachtete oder auf den Po eines vorbeigehenden Mädchens blickte. Er möge sich ausweisen sagt der das Trio wohl leitende und das Wort führende Mann und zeigt seinerseits nachlässig eine Ausweiskarte vor auf Hüfthöhe, die ihn mutmaßlich nach außen als Zivilfahnder bezeichnet. Das Ziel des Zugriffs ist ein kleiner Mann mit schiefgelaufenen Schuhen, gelbgrau zurechtpomadiertem Haupthaar und einer braunmelierten Hornbrille, dem man nun wortlos die Umhängetasche von den Schultern zerrt und den Inhalt rasch auf den staubigen Boden des Bahnsteigs entleert. Dabei mit spitzen Fingern ganz gewöhnliche Dinge, wie eine Brille, einen Schlüsselbund, leere Bierflaschen oder eine Zeitung, mit einer, für mich als Beobachter ungeheuerlichen, Na-was-haben-wir-denn-da-Miene anhebend, als müsse sich der Besitzer dafür rechtfertigen, was dieser jedoch leider auch macht. Man handele aufgrund eines Anrufes, verschiedener Hinweise aus dem Volk, erläutert der leitende Fahnder, man habe ihn, den Mann mit der Umhängetasche, beobachtet, wohl hinter der Gardine stehend, denke ich, wie er Bierflaschen austrank, wie er dann im Gras lag, am Bahndamm, unweit der Kanalbrücke und schlief, in der Sonne, anschließend auf dem Bürgersteig auf und ab ging, hatten Bürger ihre Beobachtungen der Polizei geschildert, so der Fahnder. Es sei ein Verdachtsmoment entstanden, da und da abgestellte Kraftfahrzeuge betreffend, so der Fahnder zu dem vermeintlich Verdächtigen, der aufgehalten wird, dessen Habe auf dem Boden verstreut liegt, der harmlos ist, wie ich denke und wie ich weiter denke handelt es sich nicht einmal um einen Anfangsverdacht, der eine Taschenkontrolle überhaupt rechtfertigen würde, sind doch Bier trinken, schlafen, auf und abgehen übliche Beschäftigungen von Menschen somit mitnichten justiziabel im Sinne einer gesetzlichen Ordnung jenseits von Kaiser Wilhelm, Adolf Hitler und Erich Honecker. Daß ich plötzlich in eine Situation geworfen werde, denke ich, die die eines Voyeurs ist, der durch den Spion seiner Türe beobachtet, wie Schergen in Ledermänteln und Reitstiefeln bei einer anderen Mietpartei grimmig schellen um exekutiv tätig zu werden. Und wie das Trio Eindruck schindend und sich in die Brust werfend dasteht, den vermeintlich Verdächtigen bedrängt, der nicht daran denkt Widerstand zu leisten, alle an ihn gerichteten Fragen, eingeschüchtert, wie ein Untertan, der er ja offensichtlich auch ist, beantwortet, obwohl er sie nicht beantworten müsste, wie mir gewiss ist. Es ist ein Unrecht das geschieht, ich handle nicht, auch weil meine Bahn einfährt, wie ich mir später, als fadenscheinige Entschuldigung vor mir selbst zurechtlege. Die Situation gemahnt an eine Jagdszene von kleineren Raubtieren, die ein ihren Kräften gemäßes Opfer ausbaldowerten, Frettchen etwa, die eine flügellahme Amsel gestellt haben, sich in der Überzahl wissend, ferner wissend, daß das Opfer ein geschwächtes ist, somit nicht aufflattern kann beispielsweise oder fortspringen, und dennoch ohne Unterlass sichernde und schele Seitenblicke werfend, während sie ihre hektischen Zähnchen in das Fleisch schlagen, ob nicht ein größeres, einen in der Nahrungskette übergeordneten Rang bekleidendes, Raubtier erscheint und sich die bestehenden Kräfteverhältnisse ungünstig entwickeln. Und alle tragen Kapuzenshirts, wie in diesen Reportagen im Privatfernsehen, das aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmende Menschen vornehmlich mit diesem sportiven Kleidungsstück angetan abbildet: das Kapuzenshirt ist quasi der Rokokopantoffel des 21. Jahrhunderts. Mit Drogenproblemen behaftete Problemjugendliche aus Problemkiezen mit Problemhunden sowie auf Problemjugendliche kaprizierte Geheimpolizisten, Leistungssportler, Kleingärtner, Raver und Geländewagenfahrer aus Westend. Die Situationen, in denen sich die Menschen in sozialer Interaktion befinden, sind stets stereotyp und lassen sich meist auf einige wenige triebbedingte Säugetiermechanismen reduzieren, wie beispielsweise dominante Revierverteidigung und körperlich oder geistig ausgetragener Kampf um die Weibchen mit den besten Erbanlagen. Fraglich ist, ob die äußeren Formen der Klischees aus der Realität in den Fernseher wandern, oder ob die Klischees dort entstehen und in die Gesellschaft ausgestrahlt werden, wie diese Fernsehseriendialoge, die in meinem Rücken, in den Schlangen vor den Supermarktkassen geführt werden, von Menschen, die ihr Leben bei Schweinefleisch und Colamischgetränken in zitronenfaltergelb gestrichenen Blähbetonsteinhäusern in Toskanaoptik fristen.

Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« | Kommentare (2)

Huren, Wein und die Filets der besten Tiere für alle

Ein von minderwertigem Wein trunkener Mann, der durch den Kot der schummrigen Gassen ins Badehaus stolpert um dort zotige Lieder zu singen und ein Weib zu schwängern, zürnt natürlich zugleich dem Klerus, der sich, wie man sagt, nach oppulentem Prälatenessen im Bordell vergnügt. Je verkommener ein altes Regime ist, desto dämlicher sind scheinbar auch jene, die sich anschicken, es zu reformieren oder gar hinwegzufegen. Das pervertierte Papsttum des Spätmittelalters brachte immerhin Martin Luther oder Thomas Müntzer hervor; Wirtschaft und Politik heute gebiert lediglich lächerliche Kritiker wie die Linkspartei beispielsweise oder Attac, als würde der Ladeluke eines havarierten Supertankers ein geistig behindertes Schaf entschlüpfen.
Man sagte, sie predigen Wasser und trinken Wein, mit der Intention selber Wein trinken zu wollen, und zwar nur von den Trauben höchster Qualität. Man sagt, wir zahlen nicht für eure Krise, mit der Intention, in der Hausse an den Erträgen der hasardeurhaften Wirtschaft teilhaben zu wollen, jedoch in krisenhafter Zeit zu greinen ob der Vertreibung aus dem Warenparadies und sich mit barlachschen Mienen die Nasen an den Scheiben der besten Geschäfte platt zu drücken. Man trinkt gierig und in großen Mengen sehr billigen Kaffee, man verzehrt Rindfleisch und vitaminreiche Südfrüchte, man trägt modische Sportschuhe sowie in fernen Ländern, von Ausländern verfertigte Oberbekleidung, man weist aber, mit vor Erregung zitterndem Zeigefinger, anklagend auf die Mönche, Minister und Manager da oben, da man ihnen den besseren Hebel neidet, die Welt der Neger und Bauern auszubeuten.
Blicke ich in den – im Fernseher abgebildeten – Saal des Bundestages und höre und sehe mir an, was die Politiker zu einem beliebigen Thema sagen, so würde ich mich aus inhaltlichen, ästhetischen wie auch rhetorischen Gründen endgültig mit Grauen abwenden, wenn sich nicht mit mir der geifernde Pöbel abwendete vom Parlamentarismus. Ich bin versucht, wie ein Lehrer überall Logik?, Stil? und Falsch! an den Rand zu schreiben und überhaupt alles mit einem roten Stift vollzukrakeln was dumm ist.
Die Opposition innerhalb und ausserhalb der Herrschaftshäuser, die das Volk zu integrieren vermag, ist – ich wiederhole mich – stets noch geistloser als es die vorherigen Machthaber waren.
Liest man die auf Papier gedruckten Zeitungen, so stehen dort die Agenturmeldungen von gestern darinnen; liest man die digitalen Zeitungen, so tropft das Blut in die Gosse und prominente Partyluder öffnen ihre Schenkel; liest man jene Blogs, die für sich eine Führungsposition, einen quasi journalistischen Anspruch im selbstgeschaffenen Untergrund-Sandkasten proklamieren, so stehen diese, da sie in der Reaktion auf existierende Probleme keine eigenen Ideen zu formulieren im Stande sind, aber auch keine neuen Themen zu lancieren wissen, als narrenhafte, vor allem unverzehrbare und parasitäre letzte Glieder in der medialen Nahrungskette da.

Thematischer Schwerpunkt: »Apparate« | Kommentare (0)

Die Sintflut ist der Hochdruckreiniger des Herrn

Vermittels Präparaten und Arbeitstechniken, die mir angeboten wurden, ist es mir gelungen, meine Penislänge um 20% zu vergrößern, meine Potenz gar um 85% zu steigern. So komme ich seit Stunden nicht, und Damenbesuch kommt überhaupt nicht. Käme er, so sähe ich ihn frühzeitig auf dem Monitor meiner lichtstarken Überwachungskamera an der Türe und schwebte mit dem gasdruckgefederten Barhocker, den ich einst in führenden Designerhotels bewunderte, lautlos auf und nieder, als Zeichen meiner Freude. Was nützen einem Mann rautenförmige Pillen in bleu und Photographien, die devot oder dämlich dreinblickende Frauen in reizender Unterwäsche und mit Hundehalsbändern bekleidet vorstellen, wenn die Welt, wie man den Massenmedien entnehmen muss, ohnehin verrottet ist bis zum Kern, sich insgesamt nicht den Anforderungen und Bedürfnissen gemäß entwickelt (Stichwort: Finanzmärkte, Klimakatastrophe), daß man alles einmal gründlich durchkärchern müsste.
Ich rate Ihnen, sich in faden Perioden des Lebens vor diese Monitore zu stellen, die an den Stirnseiten der Regale von Heimwerkermärkten angebracht sind. Die Männer, die in den dortigen Bildschirmen auftreten, sind oft sehr munter, einer der beiden mimt, im Sinne der Sache, einen umständlichen Skeptiker, der andere stellt, seinem Naturell entsprechend, einen Mann der Tat dar und demonstriert, wie sich die sichtbaren Probleme auf technischem Wege lösen lassen. Das Material fügt sich schließlich dem Manne; im Endeffekt liegen befriedigend glatte Schnitte, lotrechte Bohrlöcher sowie Sauberkeit und Ordnung der Dinge vor.
Gott erschuf den Menschen, der das Prinzip des Funktionalismus ersann; somit sind auch Spax Terassenschrauben Werke des Herrn, der so seinen Geist durch den Menschen hindurchfließen ließ. Als singuläre Person ist Gott nicht stapelbar, wohl aber als von ihm beseelte Plastikbox E1 beispielsweise. Die Welt ist deswegen so unwirtlich, kalt und öde, daß der Mensch gedrängt ist, ihr Wohlbehagen und Glück abzuringen durch Technik. Folgt man der Annahme, daß alle Dinge, alle Pflanzen, alle Tiere, alle Menschen von göttlichem Geist beseelt sind, so erscheint Gott großartig und banal, gut und voll scheiße zugleich.
Was Flugrost, Magnesiumkalk, Gefrierbrand, Bügelglanz und mikrobakterieller Befall in ihren jeweiligen Mikrokosmen sind, stellen Seuchen, Hunger und Kriege im Großen dar. Von diesen Symptomen der menschlichen Verderbtheit nährt sich die sogenannte Medienmaschine, ein Zwitter aus steampunkartigem Zahnradapparat und Biomasse, dessen Gestalt sich als sowohl grotesker wie auch furchterregender, wenn auch hübsch silbrig glänzender Tiefseefisch von gigantischem Ausmaß vorstellen lässt, der in vergleichsweise seichten Gewässern dümpelt und sich die Abbilder des Leids und die Sensationen der Welt mit hoher Geschwindigkeit in das träge auf und zu klappende Maul schwemmen lässt, die sodann zügig den Magen, sowie den – für Aasfresser charakteristisch – kurzen Darm passieren, um schließlich als toxischer Sondermüll, als Meinungen, ausgeschieden zu werden. Die Medienmaschine verfügt über einen ausgeprägten Verdauungsapparat, jedoch über ein in Evolutionsprozessen verkümmertes Gehirn. (Die Gehirnleistung dient quasi ausschließlich der Steuerung der Verdauungsprozesse.) Trotzdem wird – lediglich durch Präsenz und Ausstoß – versucht zu suggerieren, die Verdauung der seit Jahrmillionen gleichen Nahrung würde stets variieren, daß sich aus den neuesten Exkrementen auch immer neue moderne Weltmodelle und Handlungsgrundlagen bilden ließen.
Satellitengleich umschwirrt wird die Medienmaschine von kleineren digitalen Parasiten, die mit dem großen Verdauungsapparat eine Art Symbiose der nachhaltig bilateralen Fäkalienverwertung eingegangen sind. Man nennt diese Parasiten Blogs und Twitter; eine Art endzeitliche, maximal beschleunigte Form des Leserbriefs – die totale Meinungsmache bei gleichzeitiger größtmöglicher geistiger Leere – der Stammtisch und die Beschwerdestelle der Hölle.

Thematischer Schwerpunkt: »Materie« | Kommentare (2)

Die Entstehung der Arten (Teil 1)

Ich skype gerade Hans-Werner an, weil MSN down ist und Hans-Werner in der vierzehnten festhängt, bei ‘nem Strategy-Panel mit ein paar ganz großen Tieren aus den Staaten. Wie immer, wenn ich in good old Mainhatten bin, treffen wir uns in Rick’s Bar auf nen paar gepflegte Single-Malts zum absacken. Ich hab Hans-Werner Ende der achtziger kennengelernt, als wir gemeinsam die Human Resource Optimization Unit eines mittelgroßen DAX-Konzerns geleitet haben unten in Würzburg. Heute ist die Bude IMHO schlachtreif, die erste also, die in Germany die Hufe hochreißen wird, wenn die Lage – was anzunehmen ist – weiter bearish bleibt. Bei diesen unterirdischen Zahlen hätte man den Brüdern schon vor einem Jahr einen hammerharten Rating-Downgrade reinwürgen und den Wert stante pede aus dem DAX kegeln sollen. Aber hey, der Markt ist eben kein Ponyhof. Mein alter Kumpel Hans-Werner also, damals, kurz bevor die Blase geplatzt ist, short gegangen, die sauer verdienten Milliönchen dann aber in Dubai versenkt. Life sucks! Aber das ist ein anderes Thema. Ich häng’ also an der Bar, die Puppe hinter dem Tresen schiebt ihren Arsch rüber, ich bestell mir ‘nen gepflegten doppelten Armorik Single Malt und genieß die Aussicht. Heilige Scheiße, die Puppe hat wirklich den süßesten Arsch diesseits der Beteigeuze, und als wenn das noch nicht genug wäre, zwei wirklich amtliche Hupen, die sich sehen lassen können – lucky me, Freunde! Als die Party vorbei war, Ende der achtziger, ist Hans-Werner ins freie Strategy-Consulting, ich ins Direct-Marketing, das steckte seinerzeit noch in den Kinderschuhen, i mean digital, da war mächtig Cash drin und ich bereit, mir die Piepen zu holen, klar, dann rüber ins SEO-Segment, das war das große Ding seinerzeit, Ende der neunziger. Hab nen paar relativ große Buden auf nen Pagerank gehievt, von dem die Brüder nur träumen konnten, and so on. Ich schau kurz auf meine Patek Philippe; Hans-Werner lässt auf sich warten und draussen schifft es, als ob die Welt untergeht. Heilige Scheiße, wie ich es hasse. So, Freunde, nun ratet mal, wer sich am meisten in diesem beschissenen Land auf die Cabrio-Saison freut? Na? Richtig! Meine Wenigkeit, good old me! Verdeck runter, rauf auf die Gotthard-Straße und dann immer gib ihm. Schön Konvoifahren mit den buddies und aus den Bose-Subwoofern schallt Supertramp: Yeah! Ich mein, Hallo? Wieso geb’ ich mir sonst Sechzehn-Stunden Tage mit den beratungsresistentesten und merkbefreitesten Kunden diesseits der Beteigeuze? Klar, ihr wisst wie es läuft, money makes the world go round wie es so schön heißt und ja, natürlich Mäuschen, ich nehm’ noch einen. Hans-Werner will sich ja einen Alpha-Romeo Spider holen, da hab ich ihm neulich im MSN Chat erst mal verklickert, daß er bei den Straßen hier ziemlich Trauer haben wird mit so einer abgefuckten Spaghettischleuder, eine Bodenwelle und es heißt: Good-bye Unterboden. Na, muss jeder selber wissen. Ich fahr’ Maserati Gran Turismo, bin mit dem Wagen an und für sich sehr zufrieden, da stimmt die Performance, die Optik und das Design, eben alles. Five thumbs up also. Hab mir die Schüssel geholt, nachdem ich meine Exfrau abgeschossen hab und der Bilfinger-Job in trockenen Tüchern war. Man gönnt sich ja sonst nichts! *gg* Stay tuned folks! Versuch mal kurz Hans-Werner anzutwittern: @hans_werner is 2L8 - Alter Schwarzfußindianer, der Whiskey ruft!!! BTW hab mir das G1 geholt, um meine Communities im Flieger zu checken und zum daddeln und prokrastinieren natürlich ;-) Die Tasten sind ein wenig hakelig, aber hey, das Gerät geht IMHO absolut klar. Hans-Werner sagt, er sei ja eher so ein Blackberry-Typ, okaaay, er ist mit Push-Mail groß geworden. Hans-Werner simst mich gerade an, unser Treffen fällt flach, plötzliches Overnight-Meeting. Kann man nichts machen, shit happens. Noch einen doppelten Single-Malt und ich bin raus hier. Gabel mir noch ne handliche Bordsteinschwalbe auf und fahr das übliche Programm: französisch, doggystyle und abspritzen in der Missi, dann heißt es für meine Wenigkeit: kleines Betthupferl aus der Hausbar und an der Matratze horchen. Morgen ein wichtiges Kickoff-Meeting für das Osteuropa-Segment eines führenden deutschen Franchisers in Pforzheim. Alter Verwalter, ausgerechnet Pforzheim! IMHO die buckligste Stadt diesseits von Wladiwostok! Der Flieger geht um sieben, einchecken um sechs. In diesem Sinne: Tschö mit ö und tut nichts, was ich nicht auch tun würde!

Thematischer Schwerpunkt: »Warenwelt« | Kommentare (5)

Was wie Ambrosia wirkt, ist tatsächlich angetaute Tiefkühlasiapfanne

Das Schnäbelchen pocht energisch von innen an die Schale, daß ein erster Riss entsteht. Ein Entenküken begehrt Einlass in die Welt.
Die Welt ist gut, die Welt ist schlecht; gleichsam ein fertiger Holzschnitt, der aus dem Fernseher purzelt, auf die Auslegware: es ist die Wahrheit; darauf haben Künstler in verschiedenen Arbeitstechniken Wirklichkeitsebenen und Deutungen, im wesentlichen vermittels Aquarellfarben, auflasiert, aber auch gespachtelt und mit Wachsmalstiften hingekrakelt. Bitte nehmen Sie es so, wie es ist. Im Gefieder des juvenilen Ententieres, wird einst eine Milbenart ihr Domizil aufschlagen, wird dort, sehr gelassen ihren evolutionären Plan weiterverfolgen, das Leben in Entengefiedern noch zweckmäßiger zu gestalten. Die Welt feilt an den Nukleinsäuren, die weise Milbe lässt geschehen.
Schnellzüge stampfen durch Bergtunnel und Astronauten, deren Augen aus Bergkristall gefertigt sind, steigen ins All hinauf und die Welt hüllt sich in Schwefelqualm.
Stakkatohafte Technobeats peitschen durch die Bohnerwachsgänge eines Hochbegabten-Internats ob Davos. Marie-Luise, designierte Bestsellerautorin, Eisprinzessin, Tennis-Ass und Ausnahmepianistin in spe, des Studienrates jüngstes Töchterlein, ein Backfisch von siebzehn Lenzen, sitzt, lediglich mit einem Ich ziehe Otterbabys dem zweiten Weltkrieg vor-T-Shirt bekleidet, unweit des Fensters, an einem Russentisch und ihr zartes Koksnäschen kräuselt sich recht reizend, als ein Leuchtmittel über ihrem güldenen Lockenkopfe erscheint, da ihr augenblicklich Schuppen von den Augen fallen: Gewiss, Hedonismus lautet das Lösungswort! Die Buchstaben nun flugs aus den Überschriften führender Lifestyle-Magazine ausgeschnitten, mit Nagellack und Glimmerstaub zusammengepappt, sodann gefaltet, zu einer Origami-Hydra mit vorknisternden Trotzköpfchen, die im Chor rufen: Siehe, Miniaturisierung und Beschleunigung wird da sein, ein apokalyptisches Rumoren und Schaben; mehr sollt ihr nicht erwarten. Aber das ist ja auch schon allerhand und nicht Nichts, denkt man, im Transit eine kleine Siedlung von feinstaubmatten Wohnwagen gewahrend, die sich hinter die Böschungskante einer Ausfallsstraße ducken, an der nubische Prostitutierte in die Fahrerkanzeln rumänischer Berufskraftfahrer steigen um ihnen zu dienen. Die Bewohner essen hier zerhackte Tiere in brauner Soße, sie haben schwarze Zähne und ihre grindigen Füße schubbern träge über schäbige Acrylteppiche mit Brandlöchern darinnen. Alle hier Lebenden sind abhängig von einer Droge, die aus den gemahlenen Leibern von Tausendfüßlern gewonnen wird. Der schorfartige Podsolboden, draussen, vor den Hängern, ist altölbeschmiert und übersät mit leergefressenen McDonald's-Verpackungen; ein Habitat der allerneuesten Schimmelkulturen und des Tschernobyltäublings, der, Pilzkundler werden es wissen, durch eine Wanderungsbewegung hierher geriet.
Der feine Herr Studienrat, des Backfisches alter Herr, wir erinnern uns, sitzt an einem anderen Ort, bei einer lauwarmen Tasse Kamillentee nebst zwei ungesüßten Haferkeksen, im Lichtkegel einer formvollendeten Stehlampe und beschriftet Post-It-Zettelchen mit peinlichst akurater Sütterlinschrift – Nonpareille versteht sich, das Material will schließlich genutzt sein. Kleine Bildungssentenzen und geistreiche Aperçus, Meyers neuem Lexikon oder Goethes Tagebüchern entnommen, die sodann in einen schweinsledern gebundenen Baedeker-Band eingeklebt werden, mit knöcherner Studienratshand, fein säuberlich, der feine Herr Studienrat gedenkt eine Reise zu unternehmen, zur Zitronenblüte – heim in den Schoß der Klassik.

Thematischer Schwerpunkt: »Ausdruckstanz« | Kommentare (4)

Albert Düsentrieb

Daß die Sprengung des zweithöchsten Berliner Bauwerks, des Frohnauer Sendemastes, ein voller Erfolg gewesen sei, wie gesagt wird, ist sympthomatisch für den Geist, der in Berlin herrscht, der an allem nagt, wie gierige, wie schädliche Raubinsekten. Nicht nur, daß die Maßnahme von einer schrecklichen Tragödie überschattet wurde, ein rotbraunes, besonders flauschiges Reh mit riesigen rehbraunen Rehaugen wurde von schrapnellartig umhergeschleuderten Stahlteilen erschlagen; wobei jedem klar ist, sofern wachen Geistes, unbedingt klar sein sollte, daß im Vorfeld Förster und Techniker mit Signalhörnern und Pauken durch das Unterholz hätten streifen müssen um das Rotwild von der geplanten Durchführung der Demontage in Kenntnis zu setzen. Die Situation glitt also aus dem Ruder und die Verantwortlichen legen nun falsches Zeugnis von ihrem Handeln ab. Gerade eine Stadt wie Berlin, für die der Erhalt, die Schaffung von guten Vertikalen so überaus wichtig wäre, entledigt sich ihrer köstlichsten Bauwerke – zudem noch unter Zuhilfenahme von Stümpern – einer höchst zwielichtigen Firma aus Ostdeutschland.
Berlin – die schlimme Bevölkerung Berlins, die Berliner also, die pampigen, die aggressiven Berliner, deren Physiognomien dauerhaft von Missmut deformiert wurden, die Gesichtszüge mit schartiger Klinge aus aschgrauem Speckstein geschnitzt. Diesen Existenzen gebricht es an Erhabenem, das ihnen jeden Tag erneut den wahnwitzigen Größenunterschied zwischen Mensch und Universum veranschaulicht, wie es die Berge tun, die dem Betrachter mitteilen, daß er ein Wicht ist, ein sinnlos strampelnder, ein nichtsnutziger Wicht, der jederzeit vom Fuß eines Riesens zermalmt werden könnte, ohne daß ein Hahn danach krähte, den der Herr, dessen ungeachtet, dennoch liebt, und der seiner sanftmütigen Nachsicht durch gut geformten Gneis und würzige Wildblumenwiesen reichlich, überreichlich Ausdruck verleiht. Da nun aber Berlin und, noch schlimmer, Brandenburg platt wie eine Flunder ist, wird die Bevölkerung nicht hinreichend und vor allem nicht kontinuierlich genug gedemütigt, insbesondere ist der Berliner nicht gezwungen seinen Blick gen Himmel zu richten, keine Vertikalen weisen ihm optisch den Weg zu Höherem, daher ist sein Verhalten so schlecht. Es gibt nur wenig gute Hochhäuser, es gibt keine Berge.
Der Architekt Jakob Tigges plant einen Berg auf dem Flughafen Tempelhof zu errichten, einen künstlichen Berg. Nun ist aber ein Berg, der nicht Produkt der Plattentektonik ist, ein Kitschberg, also ähnlich unsinnig und folglich falsch, als versuchte man Holz vermittels Holzfolie zu imitieren.
Alle jüngeren Bauwerke, nicht nur in Berlin, können nur noch als Zeichen eines absterbenden Systems gelesen werden, stehen sie doch nicht für Nichts, sondern leider ausschließlich für moribund überkommene Ideen. Daher fehlt ihnen die Größe, wobei die erbärmlichen Gebäude, von denen ich spreche, durchaus physisch relativ groß sein können, nur sind die Ideen aus Wirtschaft und Politik, die sie entstehen ließen, nichtig und kümmerlich. So wird man auch in einhundert Jahren noch staunende Touristen vor die Pyramide von Becán führen, nicht jedoch vor das A10-Center, das in fünfzig Jahren nicht mehr stehen wird, das eine hässlich ausgebrannte Ruine sein wird, verwüstet und von räudigen Wölfen und Schakalen bewohnt.
Erhabenheit führt zu Demut, daher ist es notwendig, ja längst überfällig, auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof einen gigantischen Betonquader zu errichten, einen Quader von einem Kilometer Seitenlänge. Nicht begehbar natürlich, ein massiv für immer im Sand lagernder, unzerstörbarer Betonquader, an dessen Fuß die Berliner geduckt umherschlichen, und man Handtaschendiebe und Vandalen zwänge, hinaufzublicken, tagelang, dorthin, wo die Falken nisten würden, und wo das rotbraune Rostwasser der Armierungseisen aus der Wand träte.
Ein weiterer gigantischer Betonriegel, in gleicher Bauweise, würde später, in West-Ost-Ausrichtung auf dem stillgelegten Flughafen Tegel entstehen, somit lägen die Stadtbezirke Prenzlauer Berg und Reinickendorf sowie Kreuzberg und Neukölln an Nachmittagen in tiefem Schatten. Bauwerke für das Nichts. Nicht Germania, nicht Bunker und nicht abstrahierter Holocaust. Reine Architektur, ohne den Makel der weltlichen Funktion.

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In Genrebildern

Des Nachmittags, als ich mit Schlittschuhen über einen erstarrten Strom glitt, schwebten, dem fliegenden Holländer gleich, Eissegler vorüber, gravitätisch und mucksmäuschenstill, weit hinaus auf die spiegelglatte Eisfläche, gegen die Bruchkante, die Fahrrinne des in der Sonne funkelnden Gestades, von dumpf stampfenden Eisbrechern klirrend in die frostigspröde Oberfläche gesprengt, daran zahlreiche Wasservögel, bald kalorienschonend lagernd, bald unter gellendem Rufe hysterisch auffliegend; Eishockeyspieler in farbenfrohen Anoraks, die dem Puck mit großem Hallo nachjagten, Familien mit Kind und Kegel, ja wohl selbst Oheim und Mume in Lammfellpelze gemummelt, die auf Schlittschuhen ihre Kreise zogen, daß es nur so eine Art hatte; Hunde, diese wuscheligen Räuber, die wie toll umhersprangen und um Bodenhaftung rangen, daß den Besitzern die Heiterkeit, ob des drolligen Unvermögens ihrer Dreckstölen, in die Gesichter geschrieben stand und oben – droben – über allem flashte ein überkrasser 32-Bit-Farbverlauf, der alle Register zog und der Grunewaldturm trotzte, in köstlich güldene Valeurs später Sonne getaucht, dem scharfen Nord-Nordost, der unerbittlich blies, daß die pausbäckigen Gesichter der Bürger rot erglühten. Als ich nun, im Laufe begriffen, mit blutendem Herzen, meinen Blick von diesem reichen Bilde riss, gen Boden blickte, zu den Spuren im Eis, dieser grazil geschwungenen Kufenschrift, die ja bekanntlich vergänglich ist, wie das Leben und die Liebe, gewahrte ich, im Eise eingebettet, als handele es sich um Schneewittchen in ihrem gläsernen Sarge, einen gewellten Zettel aus Büttenpapier, darauf stand mit vollendet schöner Sütterlinschrift geschrieben: Wer das liest, befindet sich tatsächlich in einem Gemälde, einem Gemälde allerdings von Thomas Kinkade, oder doch eher von Carl Spitzweg? Keine Ahnung, vielleicht ein Carl-Spitzweg-Thomas-Kinkade-Mashup oder so. Allerdings ragte nicht die pittoreske Turmsilhouette einer gotischen Stiftskirche in den abendlichen Nebelglast, die Frauen trugen keine Muffs und auch kein scheues Rehlein stakste langbeinig auf eine überirdisch erleuchtete Lichtung um sein verficktes Bambinäschen in den Abendwind zu recken. Diese Dinge fehlten also. Trotzdem wurde der Sonnenuntergang von Hobbyfotografen vielfach angeblitzt, die Situation gefiel – auch mir (ohne Fotoapparat und Fotografierambitionen). Würde es sich um ein Bild von Thomas Kinkade handeln, kringelte der Bildungsbürger alles rot an und schriebe Kitsch an den Rand. Befindet er sich jedoch real in einer Thomas-Kinkade-Situation, so behagt es ihm, er denkt, hallo, wie geil ist das denn, und das Leben dünkt lebenswert. Thomas Kinkade war mir übrigens neu – ich wurde darauf hingewiesen. Als ich die Bilder zum ersten Mal sah, im Internet, fiel bei mir der Blutdruck muss ich sagen. Ach du grüne Neune, entfuhr es mir, das ist ja der letzte Scheißdreck!
Nun behaupte ich aber, es gibt keinen rational begründbaren Qualtätsunterschied zwischen der Malerei der Romantik beispielsweise und den Machwerken von Thomas Kinkade, mal abgesehen von der Tatsache, daß sich William Turner zu Thomas Kinkade verhält wie die Beatles zu Oasis. Nun könnte man behaupten, die Produkte Kinkades werden in Fabriken produziert, hinter ihnen stehe also das Streben nach Gewinn, nicht jedoch Empfindsamkeit oder eine künstlerische Aussage. Dem muss ich entgegenhalten, daß die Bilder Rembrandts, mit denen die Wände der namhaftesten Museen gepflastert sind, in nicht unerheblicher Menge von Assistenten produziert wurden. Rembrandt war quasi ein früher Markenname, wie es heute Coca-Cola und Gucci sind, die Produktion erfolgte arbeitsteilig; nichts anderes macht dieser Kinkade, der ja zudem ein Zeitgenosse des 21. Jahrhunderts ist, einer Epoche in der die maschinelle Duplizierung und Erstellung von Bildern längst anerkannter Standard ist.
Nun ja, man könnte ferner behaupten, diese Bilder seien ja nun inhaltlich und formal wirklich etwas over the top. Das muß so sein, sage ich, das Biedermeierliche muss heute biedermeierlicher sein, als noch zu Spitzwegs Zeiten, um überhaupt eine Anmutung von Biedermeier zu erzeugen, es liegt an Auschwitz vielleicht, und an der Tatsache, daß Süchtige, Glukosejunkies in diesem Fall, bekanntlich die Dosis immer mehr erhöhen müssen; das Proletariat also, das sich diese Kinkadeprodukte kauft, als Soma, als Flucht aus der Welt in paradiesische Parallelwelten, die sich mehr oder weniger subtil, mehr oder weniger unverhohlen alle Menschen wünschen – wenn auch in der Geschmacksrichtung Steampunk oder mit brennenden Mülltonnen.
Ich fasse zusammen: es gibt keinen rational begründbaren Qualitätsunterschied zwischen diesem Kinkade-Trash und den Hochkultur-Ölschinken in den Museen. Subjektiv finde ich natürlich, daß Jan Vermeer oder Caspar David Friedrich beispielsweise die krasseren Maler sind, mit derberen Skills, die Sujets sind aber durchaus sehr ähnlich und auch die Werke Caspar David Friedrichs, bildeten, schon zu seiner Zeit nicht, die, seine Zeit prägende gesellschaftliche Umwälzung (Industrialisierung) ab, bestenfalls als gegenläufige visuelle Überreaktion. Die Trennung zwischen Kitsch und Kunst, zwischen Scheiße und Ästhetik ist eine stille und unbegründbare – wie ich behaupte – Übereinkunft, der in Bürgerhäusern sozialisierten und denen, die auf die heiligen Werte der Hochkultur in Kunsthochschulen und Leistungskursen gedrillt wurden.
So ein Kinkadepuzzle wäre, in einen neutralen, einen weißen Karton verpackt, der also keine Rückschlüsse auf seinen Inhalt zulässt, ein recht gutes Geschenk – eine Art Gleichnis für einen Beschenkten mit Humor: Je mehr die Lösung eines Problems voranschreitet, desto deutlicher wird das Grauen der Eindeutigkeit.

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Herr No entlarvt den Begriff der Schönheit erneut als sinnlos

Neulich ging ich im Rahmen von Besorgungen an einem Haus vorbei, das einst einem expressionistischen Seestückmaler als Wirkungsstätte diente, ferner verstarb in der Beletage ein Adliger im Kugelhagel zotteliger Terroristen. Ein gutes und geschichtsträchtiges Haus also, mit Böden aus Fischgrätparkett, welches mit ausnahmslos geschmackvollen Läufern in gedeckten Farben belegt ist (sicherlich).
Manchmal schreite ich in Ostberlin an einem übel beleumundetem Bordell vorüber und neulich stand dort ein handgeschriebenes Schild in den rot verschleierten Fenstern des Etablissements: Neue Thaimodelle eingetroffen. So wie Dinge mitunter zugleich wahr und falsch sind, so ähnlich ist auch dieses Schild traurig und lustig zugleich. Vom Duktus des Schildes auf den Schreiber zu schließen kann den Zyniker erheitern, ihn sich als den Arbeitgeber der neuen Thaimodelle vorzustellen, ist jedoch der betrübliche Aspekt des Schildes – der Situation hinter dem Schilde –; ihnen dräut wohl in jeder Hinsicht kein Zuckerschlecken, ganz zu schweigen von meinem ersten Gedanken: was geschah wohl mit den alten Thaimodellen? Fürchterlich. Auch dieses junge frustrierte Elternpaar in der Bahn, das das Leben zusammengeschüttelt hat, wie es mit Kleinstprodukten auf einem Rüttelband geschieht, welche man aus den Propagandafilmen des Fernsehens kennt, die in reisserisch wochenschauhaftem Ton die industrielle Fertigung verherrlichen. Die weiblichen Kurven, der wohl einst anmutig gebauten Mutter, die im Begriff sind, von Tiefkühlfett egalisiert zu werden, der Swarovskistein, der zwischen ihren spitzen Nagerzähnchen aufblitzt, wenn sie den Zwillingskindern, die bleich und verschüchtert in ihrem Zwillingskinderwagen kauern, ungehaltene Anweisungen zubellt und der Bürstenhaarschnittvater an ihrer Seite, mit großen Schuhen und eingefallenen Wangen, eine gebrochene, eine käthekollwitzsche Existenz. Hier gilt das Leben nichts, es ist ein hässliches Land, von Würmern besiedelt, es ist Ostdeutschland. Kinder und alte Thaimodelle enden in der Tiefkühltruhe oder Spaziergänger machen einen grausigen Fund im Unterholz, man kennt das aus dem Fernsehen.
Ich sitze übrigens momentan auf meinem italienischen Dreitausendeurosofa in meinem mondänen Westendappartement und trinke eine schöne Tasse Kaffee. Die Tasse ist auch ohne Kaffee sehr schön – sie ist von Villeroy & Boch®. Es ist ja immer zum lachen, wenn Menschen sagen, sie würden jetzt eine schöne Tasse Kaffee trinken. Besser noch, wenn sich Menschen eine schöne Tasse Kaffee gönnen, als sei die schöne Tasse Kaffee, eine, wenn auch nur kleine, so doch überaus verdiente Zäsur in einem puritanischem, von Entbehrung und Lohnarbeit geprägtem Leben.
Es stellt sich die Frage, was ist an der Tasse Kaffee schön, wenn beispielsweise das Matterhorn auch schön ist, oder eine Frau schön ist. Was eint also das Matterhorn, die Tasse Kaffee und die Frau (die nicht hübsch ist, da sie schön ist)? Ist es dumm, eine Tasse Kaffee als schön zu bezeichnen, wenn das Matterhorn – das auch als erhaben bezeichnet werden kann – als schön bezeichnet wird, oder ist es vielmehr ein Indiz für die Weisheit des Kaffeetassenschönfinders; ist doch das Entdecken von Schönheit in den Dingen, wenn auch nur in aufblitzenden Spuren, die Fähigkeit des wahren Schöngeistes, der die Schönheit nicht nur in den Künsten und der Natur entdeckt, sondern auch in den unscheinbaren, den profanen und künstlichen Dingen. Das einende Element ist wohl die positive Empfindung die das Schöne im Gehirn des Betrachters, des Fühlenden hervorruft, ein chemisches Wohlfühltheater also.
Kann aber etwas schön sein, wenn ich es in eine Staffelung zu anderen, mehr oder weniger schönen Dingen bringen kann, also wenn ich das Matterhorn schöner finde als die Frau oder umgekehrt? Nehme ich an, es gibt so eine Staffelung, wann hört das Bezeichnete auf, schön zu sein, wann beginnt das Gewöhnliche, wann das Hässliche? Wenn das Minderschöne folglich auch immer das Gewöhnliche, das Hässliche in sich trägt, kann es dann überhaupt schön sein? Oder ist das wahrhaft Schöne vollkommen schön und der nötige Kontrast, um das Schöne als schön empfinden zu können, befindet sich an einem anderen Ort, jedenfalls in einem anderen Ding. Gewiss ist wohl, daß die Schönheit der Frauen und die Schönheit der Kaffeetassen vergänglicher, sowie stärker dem Wertewandel, dem veränderlichen menschlichen Schönheitsideal unterworfen sind als das Matterhorn. Das Matterhorn ist, wenn nicht ewig, so doch sehr lange schön, am schönsten vielleicht, weil es der Archetyp des Berges ist – Emblem des Alpinismus allemal. Frauen sind jedoch nicht unweigerlich am schönsten, nur weil sie breite Hüften und große Brüste haben, wie die Venus von Willendorf beispielsweise…

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Die Hasenstatue

Ich begehe mit S einen schmalen Weg aus Lehm, der um einen mittelgroßen, von Buchenwald gesäumten See in Ostdeutschland führt. S trägt einen leger geschnittenen Freizeitanzug aus graumeliertem Jerseystoff mit elastischen Bündchen aus Lycra.
Deine Kleidung wirkt sehr bequem, sage ich zu S.
In einigen der zahlreichen kleinen Buchten sitzen stark tätowierte Skinheads mit großen Problemhunden und nagen schweigsam am Hungertuch. Am Ostufer des Gestades befindet sich ein Ferienlager für polnische Jugendliche, die sich heute, da die Sozialarbeiter MCing als Tagesordnungspunkt vorsahen, in einem Rapbattle messen, daß die derben Beats über die spiegelglatte Oberfläche des eiszeitlich bedingten Standgewässers schallen und einige Wasservögel schreckhaft auffliegen.
Da gewahre ich, noch vor S, im zwielichtigen Dickicht halb verborgen, die aufgelassene Keusche eines Waldbewohners. (Der Waldbewohner ist an einer Lungenkrankheit verstorben und seine Leiche wurde von Tieren aufgefressen entnehme ich einem Pop-up, welches sich bei Annäherung öffnet.) Auf einer Lichtung unweit der Keusche, liegen vermodernde, bald ins Erdreich sinkende Kunstbildbände verteilt, Tizian, Brueghel und Canaletto etwa; die Bildtafeln sind vom Regen aufgefächert und im Verblassen begriffen, von falben Insekten bewohnt und somit naturgemäß zu Humus zerfallend, wie alles Unbeseelte mit der Zeit. Von der widrigen Witterung weitgehend unbeschadet geblieben, da unter dem überkragenden Dach der Keusche auf einer Bank stehend, ist jedoch eine, aus dunklem Eschenholz geschnitzte, circa zwanzig Zentimeter hohe Statue, welche einen Hasen in sitzender Position abzubilden scheint. Die Hinterpfoten des dargestellten Hasens sind mit klassischen Herrenhalbschuhen bekleidet, wobei die hinteren Läufe des Hasens, eng um den Körper geschmiegt sind, als läge der Innenrist der natürlich ebenfalls geschnitzten Herrenhalbschuhe am Steiss des sitzenden Hasens. Die Struktur des Hasenfelles ist etwas stilisiert und folgt in seiner Form, ebenso wie die, von Ernsthaftigkeit zu Verhärmtheit überhöhte, Physiognomie des Hasens, der expressiven Idee des Künstlers; die Ausführung der hölzernen Herrenhalbschuhe jedoch ist von peinlichstem Naturalismus geprägt, jede Öse, jede Zwienaht, ja selbst die, sich widerspenstig, wie im Winde windenden Schuhbänder wurden von kundiger Hand detailgetreu in das gute Hartholz geschnitten. Kopf und Extremitäten des Hasens, der tatsächlich kein Hase ist, auch kein Hase aus Holz, sind, im Vergleich zu dem Körper, überproportional groß dargestellt. Die ganze Form der Statue wird weiters durch die recht komplexe, auch kleinteilige Maserung des Eschenholzes gebrochen und im Gehirn des Betrachters erweitert wie Bauschaum.

Thematischer Schwerpunkt: »Schlaf« | Kommentare (0)

Sie erhalten Anschluss an den ICE Friedrich Nietzsche aus Gleis 7

Der Deutsche ist wenigstens evolutionär auf ganzer Linie gescheitert, wenn man ihn beispielsweise mit dem Hund vergleicht. Dieser ist sein ganzes Leben lang begeisterungsfähig und munter, er findet Gefallen an den größten Nichtigkeiten; Begeisterung, die nicht selten in Ekstase kulminiert, selbst wenn nur ein vollgesabberter Tennisball der Anlass ist. Hunde sind genügsam, fatalistisch, vergesslich und blöd, also optimal gewappnet um am domestizierten, somit unwölfischen Leben nicht zu verzweifeln. Im Gegensatz zum sentimentalen und degenerierten Deutschen, der einerseits intelligent genug ist, Fußbodenheizungen und Wunderwaffen zu ersinnen, andererseits aber nicht intelligent genug ist, seiner Gefühle, namentlich denen des Leids und seiner ihn verzehrenden Triebe – Kraft seines Geistes – Herr zu werden. Er neigt zur Schwermut, es ist in seinen Genen so angelegt, und wird zusätzlich noch befeuert durch den Konsum von Klassik, durch Goethe und diese ganze niederschmetternde Musik in Moll; der Alpdruck lässt sich weder durch Schunkeln, noch durch das Anzetteln von Weltkriegen dauerhaft abschütteln leider.
Unter anderem deshalb liebt der Deutsche den Hund, wie Hitler seine Hündin Blondie, da er in ihm das erblickt, was er gern wäre, vielleicht nach der Wiedergeburt oder so: ein wehrhaftes und doch flauschiges Wuscheltier mit stattlichen Reißzähnen und gütigen Augen, das sein Leben mit schlafen, ficken, fressen und kacken freudig füllen kann ohne dabei zu verzweifeln und sein Scheitern als solches zu erkennen. Dem Deutschen gelingt das nicht, ob er sich unter das Joch seines genetisch eingeschriebenen Säugerprogramms beugt, oder ob er sich diesem verweigert, die Welt wird von ihm immer als im Grunde fade und fahl wahrgenommen. Daher sind die deutschen Städte so entsetzlich häßlich und Angela Merkel ist Bundeskanzlerin, der Schmerz drängt nach aussen, aus den Gehirnen in die Welt, all das ewige Elend der Deutschen materialisiert sich so als Ding und als Subjekt, auch als eingewachsene, von Pilzen verunstaltete, horngelbe und unappetitlich knorpelige Zehennägel in Gartensandalen aus grünem Gummi oder natürlich als immaterielles Holocaustgespenst.
Was ist zu tun? Den Schulkindern sollten nicht mehr Die Leiden des jungen Werther aufoktruiert werden, weg damit – mit diesem Schmutz; die Objektleiter der Museen müssten die drakonische Direktive seitens des Kulturministeriums erhalten, die düsteren Ölschinken von Böcklin und solchen Typen abzuhängen, und diese in den Keller zu tragen; das hehre Ideal der Erziehung und der Erbauung sollte nunmehr Mario Kart für Wii sein beispielsweise, ein modernes Ideal also, ein Ideal, das das Leben und das Licht spielerisch, bewegt und farbenfroh verherrlicht; in der Rezeption leicht wie Gervais Obstgarten und dabei so überaus kathartisch und zuträglich für das unbeschwert seraphische Gemüt unserer Jugend.

Thematischer Schwerpunkt: »Ausdruckstanz« | Kommentare (3)

A Day in the Life

Die Polizeibeamten, die im Schatten ihres Kleintransporters kugelsichere Westen anlegen, Handschuhe anziehen, um dann den Bahnsteig entlang zu patrouillieren.
Der junge Mann in der Kaufhauspassage, der in der Verkleidung eines mittelalterlichen Händlers, hinter der Theke eines antik gebeizten Holzhäuschen steht, um Lebkuchen zu verkaufen. Das Dach der Verkaufsbude hat eine dicke Schneedecke aus Kunststoffflocken, und der mutmaßlich unterbezahlte Pseudo-Knappe drückt nebenher die Tasten seines Mobiltelefones, er trägt wildlederne Stulpenstiefel, einen geschoppten Wams und einen Hut mit einer langen Feder.
In der Augenarztpraxis bekommt ein Mann seine sehr starke Sehschwäche attestiert und an seiner Kleidung wird eine gelbe Anstecknadel mit drei schwarzen Punkten befestigt, er wird dabei bald geführt, bald gestützt von einer jüngeren Frau – vielleicht seine Tochter, vielleicht seine wesentlich jüngere Gattin.
Handelt es sich also um Indizien für die Gültigkeit von speziellen Modellen, nach denen das Weltgefüge ewig abläuft, wenn man kulturhistorisch bedingte Parameter herausgerechnet, wie die Bedrohung durch Schußwaffen, die Medizin, Matrixfehler oder den Surrealismus, von Anbeginn an, oder sind es einfach nur nicht erweiterbare Unterklassen des Prinzips Großstadt?
Wie die Medien berichten, wenn ein Flugzeug abstürzt und alle Passagiere verbrennen. Es ist einerseits ein betrübliches, ein trauriges Ereignis, wenn Technik versagt und wenn Leben erlischt. Aber es lässt sich ein Modell bilden für das Leid und die Niederlage: die Flugzeuge dieser Serie hatten beispielsweise gravierende Mängel in der Konstruktion, wie herausgefunden wurde oder der Pilot war betrunken. Muss die Kontrolle der Luftfahrtgesellschaften verschärft werden, wie sicher ist das Fliegen heute, sind Fragen, die die Medien aufwerfen, um, vom uns umfangenden Tod, vom ewigen Scheitern der Technik abzulenken, das Grauen auf eine erträgliches, somit verkäufliches Maß – ein Maß an Wirklichkeit, das menschliche Handlungsfähigkeit suggeriert, herunterzuschrauben.
Die kugelsicheren Westen, als symptomatisch für die Bedrohlichkeit des kriminellen Bahnhofsmilieus, die Skrupellosigkeit und Verruchtheit des Verbrechens allgemein, als wäre mein Gehirn das Boulevardfernsehen, werden die – dem christlichen Topos Babylon zugehörigen – Bilder von im Erbrochenen Schlafenden, von fortgeworfenen Einwegspritzen, an denen geronnenes Blut haftet, von hysterischen Huren, hoffnungslosen Trinkern und im Rausch erhobenen Waffen innerlich eingeblendet.
Der historisierende Lebkuchenhandel, der den Passanten manufakturartige Produktionsmethoden und Klimakitsch vorgaukelt; Insignien eines Lügengebildes, die ich gedanklich versucht bin, mit einem Flammenwerfer auszumerzen, da sie so sehr falsch und schädlich scheinen.
Dann das Anstecken eines Emblems des Verfalls, das im Wartezimmer, unter den Augen der anderen Wartenden stattfindet; das Geführt werden, die Furcht – meine Furcht vor dem Zerfall des Gewebes, daß sich das Auge trübt konkret, ferner vor dem Eindringen von Viren und Krankheiten in den Körper – dieses verletzliche Fleischvehikel, das Ermatten der Körperfunktionen, das in Auflösung begriffene, vergessliche Gehirn; Synapsen die erlöschen, Zellen, die nicht mehr – nie mehr mit Sauerstoff versorgt werden und so fort.
Später am Nachmittag, da die Sonne hinter ein finsteres, oben eisblaues Wolkenband sinkt und sich oben kalt und schwarzblau das All wölbt, stellt sich kein plumpes Trugbild ein, aber eine diffuse Gewissheit von Wahrheit und Endlosigkeit.

Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« | Kommentare (0)

Das Universum ist überfüllt mit nutzlosen Planeten und Sternen in traurigen Farben

Die Mehrzahl der Christen betrachtet die Kirche bekanntlich als spirituellen ADAC. Man sieht die Kirche als pittoreske, leicht angestaubte Institution an, deren Kernkompetenz in der Bereitstellung eines romantischen Ambientes für Hochzeiten, wie in der feierlichen Endlagerung menschlicher Gebeine liegt. Das grundlegende Problem liegt m.E. in der heutigen Selbstwahrnehmung der Kirche als Wasenmeister mit Meinungsbildungsambitionen. Zumeist sind es sehr schlechte, wenigstens apodiktische Meinungen, wie man weiß, die in den mangelhaft geheizten und finsteren Sakralimmobilien den Schäfchen in pastoraler Strenge zugeraunt werden. Wäre ich die Kirche, würde ich beispielsweise sagen, der von uns postulierte Widerspruch zwischen Evolutionstheorie und der in der Bibel beschriebenen Schöpfung ist falsch, wir haben das nochmal nachgelesen, die entsprechenden Passagen literarisch betrachtet und unsere Meinung revidiert. Unser gotteslästerliches Treiben ist uns nun sehr peinlich und wir werden Asche auf unser Haupt streuen, einigen Kirchen den roten Hahn auf’s Dach setzen oder wenigstens in Großraumdiscos mit Tabledance umwandeln. Zweifelten wir doch mit unseren Aussagen an der Größe und Unfehlbarkeit des Herrn, würde ich beschämt sagen, wäre ich die Kirche. So würde doch jeder weltliche Techniker, ein Designer oder ein Programmierer beispielsweise, danach trachten, je komplexer eine Aufgabe ist (wenn auch alle weltlichen Problemstellungen ungleich minder komplex als die Schöpfung des Lebens sind), desto mehr an Routinen, künstliche Intelligenz und Content-Management zu deligieren, da die manuelle Verstrickung in Details bekanntlich total nervt, ja eine sinnlose Sisyphosarbeit darstellt, die den Blick für den großen Plan entgleiten lässt. Das wusste der Herr schon vor x Millionen Jahren, da er eben Gott ist, Topchecker und Superuser in Personalunion. Hier die Flora, da die Fauna, zack, und alles mit selbstregulativer Technik ausgestattet, der Fähigkeit sich durch Mutation und Selektion der jeweiligen Entwicklungsstufe anzupassen, wie ein Handschuh, würde ich sagen, wäre ich die Kirche, und alle würden denken, ja, genau, jetzt fällt es uns auch wie Schuppen von den Augen.
Gestern las ich im Internet eine Liste, die prominente Mitglieder der Church of Satan aufführt, unter anderem Sammy Davis Jr. und Marc Almond. Interessant nicht? Weiters erfuhr ich durch die Wikipedia mit einiger Erheiterung, daß Mangel an Ästhetik als satanische Todsünde gilt. Ich betrachtete dies schon immer als vor allem wichtigste säkulare Verfehlung überhaupt. Ferner erheiterte mich die Maxime Wenn dich ein Gast in deinen Räumlichkeiten belästigt, behandle ihn grausam und ohne Gnade, ein Wahlspruch, den ich meine Haushälterin anwies in sämtliche Sofakissen zu sticken. Mal abgesehen davon, daß ich mir nichts aus Schafsblut, dem despektierlichen Umgang mit Jungfrauen und ähnlichem abgeschmacktem Brimborium mache, ist Satanismus m.E. lediglich ein stimmungsvolles Sujet für Paperbacks mit Goldprägebuchstaben, sowie für Filme, die auf RTL2 ausgestrahlt werden; als ernst zu nehmender spiritueller Ansatz kann dieser alberne Mummenschanz nebst schaurigem Geraune (überhaupt, die Anbetung eines Querulanten des Himmels) nicht durchgehen, zieht doch der Satanismus seine Raison d'etre direkt aus dem Christentum – der Negierung des Christentums und ist somit per se abzulehnen, da ich auch jene Menschen strikt ablehne, die sich als Antifaschisten bezeichnen oder als Vegetarier. Seine Person über das Unterlassen einer Handlung (also Negerklatschen oder Bratwurstessen) zu definieren ist armselig und deutet auf einen dürftigen Charakter hin.
Der Verzehr von Fleisch ist jedoch insofern problematisch, ja unappettlich, als das der Verbraucher stets im ungewissen ist, ob er Nahrung zu sich nimmt, die kürzlich noch von Jörg Haider beseelt war. Ich liebe also dieses höchst unhöfliche rumfuhrwerken in der Reinkarnation von Seelen nicht, einem Gentleman verbietet sich folglich der Genuss von tierischem Gewebe.

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In Douglasiengehölzen

Hinter dem Fahrer schubbert eine Motorsäge über das Blech. Der Waldweg ist kurvenreich und uneben, in den Löchern steht Eiswasser. Dann wird die Luft blau vom Benzin und Metallzähne reissen eine Spanparabel aus dem Stamm und ein Kreischen in die Hügel. Doch das Material ist müde plötzlich, aus technischen Gründen; die Kette fährt rasch herum, ein Geräusch, als schlüge man mit einem Ast in ein Schlammloch. Schließlich kehrt die Stille zurück; die Braunerde ist benetzt. Es kommen die Tiere, es kommt der Schnee.
82% aller Befragten wünschen sich einen spektakulären Tod als Klimax eines abenteuerlichen Lebens. Doch das geht leider nicht. Nicht jeder kann einen Weltkrieg anzetteln oder sein Innerstes epochal auf Leinwände auftragen. Folglich breiten Rettungssanitäter meist eine Decke aus und stecken sich eine Zigarette an.
Ein kleines Häschen presst neugierig, sein von Schleim verklebtes Haupt aus der flauschigen Vagina einer liebevollen Hasenmama, die über zwei recht große, bernsteingleiche Knopfäugelein verfügt, tapst unbeholfen in eine herrlich saftige Frühlingswiese hinaus, auf der die schönsten, die allerschönsten Frühblüher ihre kessen Köpfchen dem Tage entgegenrecken und glücklich summend den labsalspendenden Sonnenglast trinken. Irisierende Tautropfen gleiten glitzernd von grünen, sehr kräftigen Blättern der durstig dunkelbraunen Scholle entgegen und in der Ferne des Frühnebels gluckert heiter ein weißer Bach über kugelrund geschliffene Steine, mündet schließlich malerisch mäandernd in einen baumbeschatteten See aus Stutenmilch, in dem Wölfe und Schwäne baden. Über allem spannt sich ein farbenfroher Regenbogen und darüber wölbt sich das Weltall, königsblau und gähnend und wenn das Weltall weint, purzeln weißglühende Sternschnuppen herab. (Disclaimer: Die Sternschnuppen sollen in Wirklichkeit keine Tränen sondern eher gefallene Engel oder so vorstellen.)
Schwarze Helikopter schwirren hektisch hin und her, wie Hummeln, die wie Helikopter wirken. Aus einer brennenden Chemiefabrik entweicht ein zäher, blasenwerfender Strom aus Hantaviren, bleichen Madeneiern und kotzeartiger Dioxinpampe.
In einem feinen Blutnebel, der die Szenerie in ein hübsches rosa Pastelllicht taucht, stehen bärtige Terroristen im Mittelgang eines Linienbusses und feuern zähnefletschend aus leichten Schnellfeuergewehren auf die Passagiere, daß die inneren Organe der Reisenden schmatzend durch die Luft flattern, als seien sie Schmetterlinge im Lenz. Europa steht unter Wasser. Alle Holländer sind tot. Aus den Schlitzen der Geldautomaten ragen rostige Aidsnadeln und Susi muß den Tennisunterricht heute sausen lassen, da der Geländewagen ihres Partners nebst zwei hochbegabten Kindern bei der Rückkehr aus dem Vogelpark Walsrode von einem Atommülltransporter, dessen Fahrer für einen Augenblick unaufmerksam war, da er eine CD von Erik Satie einzulegen wünschte, erfasst und zermalmt wurde. (Die Unfallstelle wurde vermittels Warndreieck ordnungsgemäß als solche ausgewiesen.)

Thematischer Schwerpunkt: »Materie« | Kommentare (2)

Die Rückkehr der Schmarotzerhummel

Ich versuche einen Artikel über Schmarotzerhummeln zu lesen, jedoch sitzen linker Hand zwei Männer, die über die Ästhetik von Immobilien reden, über Vortstadtvillen an der Rehwiese, die in eloquenten Sätzen die Form der geschwungenen Dächer beschreiben, die der steinernen Bänder, die sich in jugendstilhafter Spannung an der Fassade entlangziehen, begleitet von vornehmen Gesten, die sich aus der frühen Lektüre von Poesie und schöngeistig motivierten Italienreisen zu speisen scheinen. Filigrane, feminine Finger, die das Feuilleton nur sanft knittern und zärtlich das schellende Telefon ertasten wie den Penis ihres Partners; die die gelb bezeichneten Haltevorrichtungen der Bahn weich und doch voller Zutrauen umschließen, bereits wenn der Waggon nur leicht krängt, die randlose Brillen, von einem dezent herbstlichen Herrenduft umschmeichelte erdfarbene Tweedjackets, Mützen gleichen Materials wie gleicher Valeurs sowie frisch gestärkte van Laack Hemden tragen, aus deren Kragen, der herbstlichen Frische wegen, gedeckt seidene Halstücher herausragen.
Zu meiner Rechten, sitzt ein Mädchen, eine junge Frau von hagerer Gestalt, ihr Haar ist so frisiert, wie es jetzt mitunter wieder Mode ist, im Stile der vierziger Jahre, recht streng zurecht gesteckt, zu einer Art geschwungenen Langhaartolle, die an die Fotografien der fürchterlichen Familienministerin gemahnt. Ihr gegenüber sitzt ein Junge, leger – er flezt, wie gesagt werden kann, auf dessen Winterjackenrücken ein stilisierter Skorpion aufgestickt ist. Er hat einen Stoffbeutel dabei, ein Werbegeschenk des deutschen Bundestages, in dem leere Flaschen klunkern. Der Junge schweigt und hört zu, gelegentlich sagt er Affirmatives, wie krass, oder uff jeden, oder er nickt, offenbar high von Haschisch. Und das Mädchen erzählt viel, pausenlos, es stürzt aus ihr hervor, trotzdem spricht sie ruhig und unaufgeregt, in kurzen Sätzen, Puzzlestücken gleich, die durch die Schwerkraft zu einem traurigen Bild zusammengerüttelt werden; die Geschichte von dem Mann beispielsweise, der der Vater ihres Kindes ist, der sie während der Schwangerschaft verließ, wegen einer anderen Frau, der heroinabhängig ist und ihr jüngst per SMS seine Rückkehr avisierte, ihr trügerisch seine wieder erwachte Liebe versicherte, um dann, beim ersten Besuch, nachdem er sie beschlief, den Computer zu stehlen und zu verschwinden. Sie ist jung, trägt ein tailliert geschnittenes Camoujäckchen, das nicht hinreichend über die Nieren geht, die kurzen Beine sind von weißen weiten Sporthosen aus Jerseystoff bekleidet und ihr schmutzig blondes Haar erscheint durch das viele Haarspray von einer Beschaffenheit wie Sandstein zu sein, so spröde, als könnte man Teile davon abbrechen.

Thematischer Schwerpunkt: »Passanten« | Kommentare (2)

Écriture automatique III

Kürzlich stürzte sich die Berliner Journaille, wie Hyänen in Angesicht einer halbverwesten Gazelle, auf das angeblich verstärkt auftretene Phänomen der körperlichen Übergriffe auf Busfahrer. Daß das gesellschaftliche Klima, wie man sagt, rauher werden würde, stand in allen Zeitungen, wenn nicht sogar zusätzlich zu vulgärmarxistischen, also unglaublich stumpfsinnigen Erklärungsversuchen ausgeholt wurde, oder im Rundfunk, den Opfern selbst, den Busfahrern also, Raum geboten wurde, ihre Meinung zu den erlittenen Misshandlungen zusammenzustammeln. Nun ist es ja jedem bekannt, daß es sich bei Berliner Busfahrern um sehr schlechte Menschen handelt, es ist bereits ein Klischee, man kann wohl durchaus weiter gehen und von gesellschaftlichen Schädlingen sprechen, die über Jahrzehnte das Volk schikanierten, mit einer nur den Busfahrern eigenen Form des kleinbürgerlichen Terrors, der sich vornehmlich gegen kleine Kinder, Senioren und Behinderte richtete, und schon hieran kann man leicht erkennen, wie verschlagen die Busfahrer über Jahre waren, es wohl noch sind. Mir drängt sich beim Lesen dieser verblödeten Meldungen sofort das Bild eines Gärtners auf, der Nützlinge in eine Salatkultur einsetzt, um der Schneckenplage Herr zu werden. Ein guter und natürlicher Vorgang, wie man sagen kann, durchweht ihn doch auch der Odem göttlicher Gerechtigkeit, ein wenig altestamentarisch zwar aber irgendwie voll OK. Schwangen sich die Busfahrer einst auf, das ihnen anvertraute Habitat zu dominieren, nach eigenem Gutdünken ein furchtbares Lederwestenregime zu installieren, wird ihnen nun zurecht Einhalt geboten und eine angemessene, körperliche, somit für Busfahrer deutliche Lektion in Demut zuteil. Der rabiaten Jünglinge könnte man sich schließlich, wenn die Busfahrer sich wieder in ihre angestammte Rolle als Lakaien des Volkes fügen, vermittels eines gigantischen Fußes entledigen, der aus den Wolken herabführe um alles unter sich zu zermalmen – theoretisch. In Wirklichkeit bedient sich das Weltgefüge natürlich subtilerer Mittel. Diese Rüpel, über die empört berichtet wird, werden unter dem Einfluss von Videofilmen derartig massiv mit Stumpfsinn infiltriert, daß sie einfach sehr rasch an Verblödung sterben; unweigerlich von Hirnerweichung und finalem Schlag dahingerafft werden müssen. Dies ist nun erstmalig eine These, die man als gewagt bezeichnen könnte, aber ich besuchte kürzlich eine Videothek in einem Armenviertel Berlins, seitdem halte ich sie für ziemlich plausibel, ja regelrecht stichhaltig, entwickelte die These genau genommen eins, fix, drei vor Ort, unentschlossen zwischen den Regalen herumstromernd, umgeben von kleinen, muskulösen und stark parfümierten Männern in weißen Jogginghosen. Ey, ischschwör, ein Monat habisch 72 Filme gesehen, Alter, sagte der eine Heranwachsende beispielsweise recht frank, in der Hoffnung, bei seinen kleinen Freunden mit diesem Bekenntnis Eindruck schinden zu können. Und der Mann hinter der Theke rief so durch den Laden, wohl für einen, der zum ersten Mal dort war, wohl um die Ausstellung eines Leihausweises ersucht hatte, ey, is Mustafa Vorname oder Nachname so? Hahaha, der niedere Stand rekrutiert sich aus Narren, gebiert die Narren genau genommen. (Was ich nicht weiss, bringt's das, gehörten Soziolekt zu transkribieren? Ich bin ja schließlich nicht James Joyce.) Unentschlossen Maulaffen feilhaltend, kristallisierten sich in meiner Beobachtung die Genres Kriegsfilm, Porno und so Kampfsportstyle als am beliebtesten bei der anwesenden Klientel heraus, diese Regale waren also besonders umringt von kleinen, parfümierten, muskulösen Männern. Wieso sehen eigentlich Männer, die danach trachten, sich besonders heterosexuell zu gebärden, stets am schwulsten aus? Das Publikum mutete also an, wie ein verblödeter, schwuler Kindergarten, der mutmaßlich in feuchten Souterrainwohnungen haust und sich von Mauerwerkspilzen und kaltem Dönerfleisch ernährt weil die Mikrowelle kaputt ist. Auch verstand ich bei diesem Besuch zum ersten Mal überhaupt die Bewandtnis der Genrebezeichnung Anspruchsvoller Film, es fiel mir gewissermaßen wie Schuppen von den Augen. Es handelt sich um Filme, in denen die Handlung von Dialogen und nicht von Autoverfolgungsjagden bestimmt wird. Somit ist auch deutlich, wieso in diesen Regalen immer soviel schlechte Filme stehen, eilig zusammengeschusterte Machwerke artifizieller Prägung, also der allerschlimmste Schund überhaupt, sind doch Dialoge bekanntlich der Feind des filmischen Films. Ja, nee, ich bevorzuge selbstverständlich auch Filme, in denen Konflikte mit Schußwaffen gelöst werden, Kraftfahrzeuge explodieren, schaurige Ungeheuer auftreten und vermittels raffinierter Tricktechnik, modernen Computerprogrammen wohl, die Illusion erzeugt wird, daß durch die Einwirkung von Gewalt, Körperteile vom Rumpf der Darsteller abgetrennt und entfernt – optional auch verzehrt – werden. Allerdings muß der Film wenigstens die Oberfläche bieten, über sich hinauszuweisen. Wenn jedoch eine Panzermine nur eine Panzermine ist, durch die Luft geschleudertes Sperma nur durch die Luft geschleudertes Sperma ist, muß der Betrachter, wie gesagt, unweigerlich an Verblödung sterben. Das gilt aber auch für die armseligen Cretins, die ernsthaft das Feuilleton der FAZ lesen oder im Fernsehen Talkshows betrachten, in denen Volker Kauder und Oskar Lafontaine fettärschig in den roten oder orangen Sesseln der Fernsehanstalten herumsitzen und Standpunkte vertreten; beim Betrachten sterben sofort Gehirnzellen ab – umgehend und irreversibel leider. Ich lieh übrigens schließlich die Spielfilm-DVD Iron Man aus; die erste dreiviertel Stunde war voll scheiße und voll langweilig auch, dieses umständliche und amerikanisierte, somit stumpfsinnige Golem-Motiv, dann aber richtig geile Effekte so, dem Zuschauer wurde quasi Einblick in die Arbeitsräume eines Superhelden gewährt, der mit dem Design seiner selbst beschäftigt war. Diese Szenen bestachen sehr.

Thematischer Schwerpunkt: »Umfeld« | Kommentare (4)

Erster Entwurf für eine Architektur gegen den Menschen

Es sollte ein Labyrinth gebaut werden im Stile der Hecken-Irrgärten vergangener Jahrhunderte, von bislang unbekannter, also gigantischer Größe. Die Wege wären von meterhohen, schwarzen Stahlbetonsegmenten begrenzt, welche sich im Boden versenken oder emporfahren ließen und verliefen ohne deutliches Muster. Den bestehenden Lösungsregeln für komplexe Irrwegesysteme oder GPS entzöge sich das Labyrinth natürlich, da sich die Wände, einem raffiniertem Algorithmus folgend, hinter den Menschen öffneten oder schlössen. Es gäbe kein Entrinnen für den planvoll Handelnden, nur wer seinem Willen entsagte, sich dem Chaos hingäbe, fände früher oder später wieder aus dem Irrgarten heraus, wie behauptet werden würde. Gäbe es im Inneren eine Gaststätte, würden dort auf Fragen nach dem Weg nur kesse Antworten gegeben, die Bediensteten wüssten es ja selbst nicht. Bestellte der Gast eine Tasse Kaffee, so bekäme er beispielsweise eine Flasche Limonade. Spräche ein Gast vom Universum, so täte der Angesprochene so, als ginge es um die Zwergenmumie von Wyoming. Eine Gaststätte wäre hier kein Ort des Schutzes oder der Behaglichkeit, sondern ein Ort der besonderen Verzweiflung, weit entfernt von den Ränder des Irrgartens aber natürlich nicht in seiner Mitte.

Thematischer Schwerpunkt: »Modelle« | Kommentare (2)
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