In einer kleinen Stadt

Mintfarbene Säulen flankieren den Eingang der Kreissparkasse, giftgrüne Pflanzen in Hydrokultur hinter blau verspiegelten Fenstern, ein neues, zweistöckiges Haus inmitten von bröckelndem Fachwerk. Wir sind Punks, unterwegs, scheißegal wohin, mit prallen Plastiktüten voller Bierflaschen – lauwarm von der Tankstelle – die Haare mit billiger Seife gen Himmel gerichtet. Hier geht die kleine Stadt in weite Landschaft über, ein niedriges Mäuerchen, marodes Gestein mit bröckelndem Putz, überwuchert von den knorrigen Tentakeln wilden Efeus. Links, im Dickicht aus hohem, trockenem Gras, einige verwitterte Hütten, manche auf hölzernen Pfählen im Wasser der Bucht errichtet.

Rechterhand, den Berg hinauf, verliert sich der Mischwald in saftige Grasmatten. Schäumend ergiesst sich ein gewundener Bergbach über dunkel bemooste Steine in Richtung Tal. Von Gletschern und großen Schneefeldern gespeist münden zahlreiche Wasserläufe in die flache Bucht. Ein schwer atmender Ausflügler auf einem unmodernen Fahrrad, mühsam tretend und unsicher lenkend, verwandelt sich übergangslos in einen vom Rausche der Geschwindigkeit trunkenen Motorradfahrer. Sein nagelneues rotes Zweirad wird von weit über hundert Pferdestärken getrieben und hat breite Reifen. Halb auf dem Sattel liegend, verschmilzt der Lenker mit seiner röhrenden Maschine.



16. Februar 2006