Sonne bis halb sieben
Krähen die durch den Schnee waten, hunderte kleine schwarzblaue Schatten in den orangeviolett schimmernden Feldern. Vom Rodelhang wehen die Rufe der Kinder herüber. In der Ferne ein Kühlturm dessen Abluft im Kern anthrazitfarben, fast schwarz ist, die Ränder von eisigem Lufthauch mäandernd und gleißend weiß durch die schräg von hinten einfallenden Sonnenstrahlen. »Der ist ganz lieb!« sagt die junge Frau und klimpert entschuldigend mit ihren Rehaugen. Ihr verspielter Hund hat seine großen Vorderpfoten im Sprung auf meinen Beinen abgestützt, verhindert so mein weiterlaufen. Die Dorfkirche von Lübars schlägt sechs. Ein Vater spielt rauchend mit seinen Söhnen im Schnee Fußball. Heute ist Biedermeier-Tag.
14. März 2006
Ja, und genau deshalb wohne ich so gerne hier oben und nicht in den „hippen“ Stadtteilen. Ein kleiner Fußweg genügt, und schon habe ich den Moloch Großstadt verlassen und kann mir endlich so vorkommen, als wäre ich immer noch zwölf, bei meinem Patenonkel im Ammerland und würde gerade mit der Milchkanne zum Bauern tigern.
Entweder Wolken, Felder und Ponys oder Breitband und Nahverkehr. Idylle oder Infrastruktur.