Equipage von höchster Güte
Der Wagenlenker übergibt die Zügel an einen Knecht, unsere Kutsche hält an einem Gasthaus unweit eines Gebirgspasses. Jenseits eines breiten, tief bewaldeten Tales erhebt sich ein hoher Bergkegel. Weite Teile des zuckerhutartigen Berges sind mit besonnten, dichten Schneefeldern bedeckt, an besonders steilen Stellen, die dem Schnee keinen Halt bieten, zeigt sich der nackte Fels. An der windabgewandten Seite des fernen Gipfels schwebt eine lange weiße Wolkenfahne. Das Gestein ist mit den stählernen Pfeilern diverser elektrischer Liftanlagen gespickt. Zahllose bunte Punkte übersäen Schnee und Eis — Wintersportler in farbiger Funktionskleidung. Oben angelangt stürzen sich diese sogleich von den steilen Wänden des Berges, befinden sich für Sekunden mit ihren Skiern, Schlitten oder Snowboards im freien Fall, um dann sanft auf einem, den Bergfuß bildenden, weniger steilen Pulverschneekegel zu landen und dort ihre eigentliche, gleitende Talfahrt aufzunehmen.
Unsere Kutsche ist recht stattlich, ein Vierachser, gezogen von einem Gespann aus zwölf, in der kühlen Bergluft dampfenden, Jütländern, die soeben von mehreren Domestiken mit Stroh abgerieben und getränkt werden. Innen ist die Kutsche in einzelne, mit dunklem Holz verkleidete Abteile gegliedert, eher wie ein Waggon der Eisenbahn. Jede Pore des mondänen Mahagoni-Intérieurs atmet drahtloses Internet in vorzüglicher Stärke.
16. April 2006