Windige Reisende
Ich dirigiere Rennwagen in rasender Fahrt durch kurvenreiche Straßen. Im Kamin verzehrt das Feuer sieben Buchenholzscheite. Das Spiel dient der Schulung meiner Geschicklichkeit, mein Auge ergötzt sich an der errechneten Anmut von Geschwindigkeit sowie dem Realismus der Texturen. Ich sitze an einem soliden Holztisch im Mansardenzimmer eines umwaldeten Berghotels. Summend lädt das Spielzeug weitere Eventualitäten in den Arbeitsspeicher. Das an frequentierter Handelsroute liegende Haus ist einfach möbliert aber gut geführt. Von unsichtbarer Dienerschaft werden stets neue Laken aufgelegt, frisch gestärkt und noch heiß von der Mangel.
Unten in der Schankstube sitzen berauscht lärmend einige der Händler, die mit mir die Kutsche teilen. Vorwiegend Reisende in Tuch und Gewürzen, darunter auch Männer von zweifelhaftem Leumund, man schweigt über das Wesen ihrer Tätigkeit. Burgunder in goldenen Bechern macht die Runde, rot und schwer wie Blut.
Nachts werde ich von Lärm aus unruhigem Schlaf geweckt. Vorsichtig seitlich hinausblickend sehe ich den Vorplatz von Fackeln erleuchtet. Ausgestellte Breeches und schwarze Lederstiefel. Angehörige des Reiterheeres haben das Anwesen umstellt. Einige Mitreisende hat man bereits in Ketten gelegt. In meinem Rücken öffnet sich leise eine rettende Tapetentür.
19. April 2006