Linie 7, Freitag

Die Leute die in der U-Bahn sitzen und offensichtlich plemplem sind, werden auch nicht weniger offenbar. Nein, nicht so wie Ursula von der Leyen, anders, Typen mit Schaum vor dem Mund, die den ganzen Wagen zusammenbrüllen. Einst humanistische Bildung, heute durch Dosenbier erweichte Synapsen. Mitunter ist es ja problematisch überhaupt geeignet Platz zu nehmen. Eine Jungmännergruppe, bei der der Posten des Alphamännchens wohl dauerhaft umstritten ist, da möchte man dann auch nicht stören. Naja egal, vielleicht mal eine nächtliche Tunneltour unternehmen im offenen Wagen? Ein Vorschlag, der über den an der Decke befestigten Monitor unterbreitet wird. Bestimmt ein einmaliges Erlebnis, zur Sicherheit tragen die Pufferküsser gelbe Helme. Irgendwie schratig. Hahaha: schratig. Ebenfalls auf dem Monitor ohne Ton, die CD der Woche. Ihr Schrate! Am U-Bahnhof Spandau hat man die Rolltreppen abgebaut, die Schrägen wurde mit Asphalt aufgefüllt, mir egal, ich glaub‘ ohnehin nicht an Rolltreppen, sieht aber liderlich aus.

Meiner Mutter, die sonst nur Tschechow, Dostojewski und andere Hochkulturschwarten liest, wurde von einer jüngeren Freundin »Sakrileg« von Dan Brown empfohlen. Der erste Krimi oder Thriller ihres Lebens. Ihre Nacherzählung des Inhaltes war vermutlich besser als das eigentliche Buch. Sie vermutet jetzt, daß in Werken dieses Genres immer mit abhörsicheren Handys und anderer, ähnlich raffinierter Technik operiert wird. Eine Art elektronischer Lehrroman. Keine Gnade fand »Deutschland, eine Reise« von Wolfgang Büscher, sie hat hier zudem diverse Grammatikfehler angestrichen. Hahahahaha. Mal ein wenig quergelesen. Blablabla schnarch, stimmt, scheisse geschrieben zumeist, Feuilletonrotz, na muss man ja nicht lesen sowas. Selber schuld. Roger Willemsen veröffentlicht bestimmt auch noch son irre geistreiches Deutschlandreisebuch oder hat der schon? Egal.



22. April 2006