Dachs in der Stadt
Füchse sind schon seit langem, auch vermehrt abseits von S-Bahntrassen und langgestreckten Grünzügen, in der Stadt anzutreffen. Heute sah ich zum ersten Mal, wenn auch nur kurz, einen Dachs in Berlin. Das marderartige Tier, mit dem charakteristisch schwarzen Streifen im ansonsten weißen Gesichtsfell, wohnt im maroden Fundament einer verfallenen Baracke. Sehe ich aus dem Fenster nach links, so erblicke ich ein, abends durch rote Baustellenlampen gesichertes, stetig größer werdendes, gähnendes Loch im Asphalt, welches mittlerweile die Größe eines Kleinwagens erreicht hat. Spurlos verschwindendes Erdreich sorgt für, hoffentlich dauerhafte, Verkehrsberuhigung. Man erlaubt den Kindern mit dem Fahrrad auf der Straße zu spielen, Federball, usw. Richtung Nordwesten hatte die Sonne, spät nachmittags, einen anscheinend langsam fortschwebenden neuen Satelliten, eigentlich die detailarme Silhouette eines Fesselballons, der seine goldbraune Farbe lediglich durch die Reflexion glühender Felder erhielt. Sonst wolkenlos, mit scharfen violettroten Schnitten, in der, das zunehmend gesättigtere Cyanblau überlagernden, gelbgrau städtischen Dunstglocke. Flieger unterwegs nach Moskau oder Stockholm. Einmal auch Nordlichtsichtungen aus dem Küchenfenster.
3. Juli 2006