Sogenannte Junikäfer

Gestern Abend, nach dem ergiebigen Regen, waren viele Bäume und auch Buschwerk umschwirrt von wahren Wolken von Blatthornkäfern. Der Himmel verfinsterte sich, wäre wohl ein wenig übertrieben, aber so ähnlich. Käfer, die dehydriert in irgendwelchen Ritzen im Boden ausharren und erst bei Zugabe von Wasser zu leben erwachen? Instantinsekten – im Prinzip, wie die Urzeitkrebse, die einst der Zeitschrift Yps beilagen. Mit dem Wasser kommt das Leben und weicht mit diesem, aber das ist natürlich wissenschaftlich nicht haltbar. Blödsinn vielmehr. Ebenso wie die irrtümliche, aber verbreitete, Klassifizierung als Junikäfer (Rhizotrogus marginipes), handelte es sich doch bei den beobachteten Exemplaren um eine größere Gruppe von gerippten Brachkäfern (Amphimallon solstitialis), die sich leicht anhand der charakteristischen Reihe von Wimperborsten an den Seiten der Flügeldecken unterscheiden lassen; zudem ist häufig die Halsschild-Scheibe dunkler gefärbt sowie durch eine Mittellinie unterteilt.

Überall brummt es in der Luft, die Käfer suchen zu abendlicher Stunde, gegen Sonnenuntergang, nach Nahrung, welche ausschließlich aus Blattwerk besteht. Manchmal kollidieren die, zu den Neuflüglern zählenden, plumpen Insekten in der Luft, stürzen zu Boden und bleiben hilflos strampelnd auf dem Rücken liegen. Sie sind nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft wieder in eine geeignete Körperposition zu wuchten. Man muß helfen. Eines Abends, flog einmal ein Blatthornkäfer durchs Fenster zielstrebig auf eine Stehlampe zu, um sich dort, umgehend, in einem Hohlraum einer aus drei Leuchtstoffröhrenrippen gebildeten Energiesparlampe zu verfangen. Mehrfach schwirrt ein gerippter Brachkäfer direkt an meinem Kopf vorbei, einer trifft mich, schmerzhaft, an der rechten Wange. Vielleicht besteht sogar Gefahr das Augenlicht zu verlieren, wenn ein Käfer ungünstig und mit hoher Geschwindigkeit mit dem geöffneten Auge zusammenprallt. Die, zwei mal überwinternden, Larven des Junikäfers ernähren sich von Graswurzeln. Ein, vom Pflanzenschutzamt Berlin herausgegebenes, Merkblatt, macht, reich bebildert, auf die Schäden aufmerksam, die die Larven des Junikäfers an Sport- und Zierrasen verursachen. Leider.



8. Juli 2006