Die Strickjacke von O

Von den vielen Ladezyklen ist das Metall ganz blankgescheuert. O, ich und eine dritte wenig konturierte Person lagern auf einem LKW-Anhänger, der am Wendekreis Grünhofer Weg abgestellt ist. Da kommt Os Mutter, nimmt die graue Strickjacke an sich, das die hier nicht so rumfliegt. Später, der Schemenhafte mahnt zum Aufbruch. O vermisst ihre Strickjacke. Ich sage, deine Mutter hat sie mitgenommen. Ach so, sagt O, sicherlich hat sie die in den Volvo gelegt, mit dem wir nach Lissabon fahren. En passant ein Blick in die Souterrainwohnung, die füllige Rentnerin liegt hingegossen in ihrem Fernsehsessel, umspült von blauem Zwielicht. Im Sommer sitzt sie draussen auf der kleinen Hollywoodschaukel zusammen mit den Terrakotta-Gänsen im Kerzenschein, man vermag dem einfachen Leben bescheidenen Luxus abzutrotzen. Der Winter ist nichts.
Das verwilderte Eck, wir nehmen den schmalen Pfad, heute 14b.

Im Stiegenhaus, an den Briefkästen steht ein Mann. Die Begrüßung fällt kühl aus, er ist im Begriff ein Buch zu untersuchen, ein Bildband offenbar, gebunden in grobes, auberginefarbenes Leinen. Abwesend schließe ich den Briefkasten auf. Sein Augenmerk gilt der technischen Ausstattung des Bandes. Bindung, Papier auch Farbe und Passer. In der Tagespost wieder viele Servietten. Ja, Tschüß O, das Essen wartet. Wir werden nachher zusammen in die Wanne gehen, denke ich. Diverse Päckchen sind heute dabei, der Größe und dem Gewicht nach zu urteilen DVDs und Bücher. Alle in unterschiedlich gefärbtes Packpapier eingeschlagen und mit schöner Filzstift-Handschrift an mich adressiert. Am Boden liegt auch noch ein kleines Paket, daneben ein blaugrauer Hut, der mir bekannt vorkommt.



8. Dezember 2005