Kennst Du die Früchte deiner Heimat?

Heute präsentiert sich das Wetter einmal frühsommerlich, der zartblaue Himmel reichlich bestückt mit gemächlich ostwärts strebenden Cumuluswolken. Meditativ arythmisches Ploppen kraftvoll beschleunigter Tennisbälle bestimmt im lauschigen Stadion die Atmosphäre. In der McPaperramschbude mit angegliedertem Postamt, wird am benachbartem Schalter ein massiger Neger bedient, der mit kringeliger Schrift adressierte Couverts zum Versand einreicht. Im Rahmen des Verkaufsgespräches deutet der Herr auf die Briefmarken und macht offenbar einen Witz. Leider schallt just in diesem Momente verstärkter Kfz-Lärm zur Türe herein, so daß die Posse für mich rein akustisch schwer zu vernehmen ist. Die Schalterkraft indess, die die scherzhaften Worte hörte, kann gedanklich nicht folgen oder ihr gebricht es am geeigneten Sinn für Humor. Es war wohl ein recht guter Witz, dem Scherzenden selbst, steht der Schalk nachhaltig ins Gesicht geschrieben, auch später noch, als er in seiner Geldbörse nach passenden Münzen für die Postwertzeichen sucht, umspielt ein Schmunzeln seine Lippen. Manchmal ist die Welt eben noch nicht bereit für einen Spitzenwitz. Da kann man nichts machen.

An der Kasse des Supermarktes wird eine Aubergine ausgewogen, die ich zu kaufen beabsichtige. Der hinter mir stehende junge Mann, von vielleicht 16 Lenzen, macht einen langen Hals, um den, auf dem Display der modernen Kasse eingeblendeten, Namen der Frucht erkennen zu können, das Gemüse ist ihm wohl nicht vertraut. Sagt der so zu seiner ihn begleitenden Schnitte »Iss ’ne Auubèrrgihne«, also nicht »Ohbèrdjschíene«, sondern eben so wortwörtlich wie es dasteht, sie so »’Ne Auubèrrgihne?«. Haha, köstlich oder? Der Kassierer muss in einem, für die Mitarbeiter bereit gelegten, kleinen Heft nachsehen um die richtige Nummer einzutippen.

In einem anderen Lebensmittelgeschäft, hier mit SB-Waage, wurde unlängst das Gemüsewaagen-Interface neu gestaltet, alle Tasten sind neuerdings mit entsprechenden Illustrationen bezeichnet, die bisherige Gliederung nach Nummern wurde im Sinne einer barrierefreien Bedienung über Bord geworfen. Leider sind die Illustrationen so Scheiße und die Tasten so doof angeordnet, daß mir mit dieser Maßnahme ein Bärendienst erwiesen wurde.

Es folgt nun ein Fastfood-Schlemmertip, der sich um ein herzhaftes Gemüsesuppenrezept dreht. Die Zutaten rekrutieren sich aus Frühlingszwiebeln, Erbsen oder Mais, ferner einem Liter Gemüsebrühe sowie einer mittleren Knolle Ingwer und reichlich Chili, optional mit Sternchen- oder Buchstabennudeln als kohlenhydratreiche Suppeneinlage. Kleinschneiden, raspeln und kochen. Zack, 15min, Fertig. Die frühlingshafte Suppe wird mit eiskaltem Löwenbräu serviert. Ein Bier, daß steht und fällt mit seiner Flaschentemperatur.



2. Juni 2006