Stadt, Land, Fluß

Mit einem Schlauchboot schicke ich mich an, die Wasseroberfläche eines einsamen Sees zu befahren. Zunächst gilt es, die Gummikammern des Gefährtes mit dem Mund auzufblasen. Es handelt sich um ein einfaches Modell in Gelb, wie man es Kindern zum Spielen gibt. Der Tiefgang ist, wie sich herausstellt, beträchtlich; ich gleite, äusserst vorsichtig rudernd, vorbei an steilen grünen Uferhängen. Auf dem Wasser schwimmen Blätter, Holzstücke und sehr kleine Eisschollen. Nach rechts biege ich in einen der zahlreichen Fjorde ein, die vom Zentrum des Gestades wegführen. Scheinbar wird die Wassertiefe geringer, aus tiefstem Schwarz wird Grau wird grünlich trübes Weiß. Zur Linken erscheint eine aus weißem Stein angelegte Insel, darauf eine Art Kapelle, erbaut im Stile eines Le Corbusier, recht kubisch und von strahlendem Weiß. Am Ufer steht, neben einem Tisch, ein Mann und bedeutet mir nachdrücklich winkend, ich möge in seine Richtung rudern. Bei dem Winkenden angelangt, an Land, lassen wir uns an dem Tisch nieder und spielen Stadt, Land, Fluß. Die erste Runde verläuft wie üblich. Nun bin ich an der Reihe, im Geiste das Alphabet zu repetieren. Einmal, zweimal, ach, endlos. Mein Mitspieler sagt nicht Stop, ich bin hier gefangen, es handelt sich um eine Falle. Durch das Kippfenster im Flur windet sich unterdessen linksdrehend eine Doppelhelix aus warmem Fischstäbchenfett und Volksmusik.



19. Juli 2006