Museum of Misshapes
Gut im Raum angeordnete Glasvitrinen präsentieren eine kleine Sammlung rarer Ausschußware. Objekte, die aufgrund von maschinellen Fehlern oder menschlichem Versagen vom Rest der Produktion abweichen und so, unverkäuflich, eine eigene Klasse der Ästhetik bilden. Der Kurator der Ausstellung bereist auch entlegene Teile der Welt, auf der Suche nach geeigneten Exponaten. Mit an Autismus grenzender Sicherheit scannt der Kurator, im Beisein insgeheim feixender Industriearbeiter, größere Container mit B-Ware, um manchmal nur ein einziges, sehr gutes Stück aus dem Meer des Unrats zu wählen. Von seiner Hand wird Abfall zu Kunst, zumeist verläuft die Suche allerdings ergebnislos.
Die skurile Form spielt keine Rolle. Einzug in die Sammlung erhalten nur Objekte, die über ihre vordergründige Fehlerhaftigkeit hinausweisen; die im Geist des Betrachters ein subjektives Bild zum Beispiel vom Produktionsprozess, der Gesellschaft, dem Material oder den speziellen Umständen des Scheiterns entstehen lassen. Metallteile, die durch eine mangelhaft eingerichtete Spritzgussmaschine, die Form eines über die Eisenerzvorkommen wachenden Erddämonen angenommen haben, sein monströser Leib überzogen von schmerzhaft verzerrten Gewindefragmenten, ein seitlich ansetzender Flansch, aufgerissen wie zum Schrei. In der Graphiksammlung, weitgehend noch ungerahmt, Makulaturbögen mit bizarren Passerschwankungen, Butzen, Flecken, Messbalken und mäandernden Moirées, die Frühstücksidylle einer Cerealienpackung mit der orangenen Körperlichkeit von Pornographie verschmelzend.
29. Juli 2006