Das Universum ist überfüllt mit nutzlosen Planeten und Sternen in traurigen Farben

Die Mehrzahl der Christen betrachtet die Kirche bekanntlich als spirituellen ADAC. Man sieht die Kirche als pittoreske, leicht angestaubte Institution an, deren Kernkompetenz in der Bereitstellung eines romantischen Ambientes für Hochzeiten, wie in der feierlichen Endlagerung menschlicher Gebeine liegt. Das grundlegende Problem liegt m.E. in der heutigen Selbstwahrnehmung der Kirche als Wasenmeister mit Meinungsbildungsambitionen. Zumeist sind es sehr schlechte, wenigstens apodiktische Meinungen, wie man weiß, die in den mangelhaft geheizten und finsteren Sakralimmobilien den Schäfchen in pastoraler Strenge zugeraunt werden. Wäre ich die Kirche, würde ich beispielsweise sagen, der von uns postulierte Widerspruch zwischen Evolutionstheorie und der in der Bibel beschriebenen Schöpfung ist falsch, wir haben das nochmal nachgelesen, die entsprechenden Passagen literarisch betrachtet und unsere Meinung revidiert. Unser gotteslästerliches Treiben ist uns nun sehr peinlich und wir werden Asche auf unser Haupt streuen, einigen Kirchen den roten Hahn auf’s Dach setzen oder wenigstens in Großraumdiscos mit Tabledance umwandeln. Zweifelten wir doch mit unseren Aussagen an der Größe und Unfehlbarkeit des Herrn, würde ich beschämt sagen, wäre ich die Kirche. So würde doch jeder weltliche Techniker, ein Designer oder ein Programmierer beispielsweise, danach trachten, je komplexer eine Aufgabe ist (wenn auch alle weltlichen Problemstellungen ungleich minder komplex als die Schöpfung des Lebens sind), desto mehr an Routinen, künstliche Intelligenz und Content-Management zu deligieren, da die manuelle Verstrickung in Details bekanntlich total nervt, ja eine sinnlose Sisyphosarbeit darstellt, die den Blick für den großen Plan entgleiten lässt. Das wusste der Herr schon vor x Millionen Jahren, da er eben Gott ist, Topchecker und Superuser in Personalunion. Hier die Flora, da die Fauna, zack, und alles mit selbstregulativer Technik ausgestattet, der Fähigkeit sich durch Mutation und Selektion der jeweiligen Entwicklungsstufe anzupassen, wie ein Handschuh, würde ich sagen, wäre ich die Kirche, und alle würden denken, ja, genau, jetzt fällt es uns auch wie Schuppen von den Augen.
Gestern las ich im Internet eine Liste, die prominente Mitglieder der Church of Satan aufführt, unter anderem Sammy Davis Jr. und Marc Almond. Interessant nicht? Weiters erfuhr ich durch die Wikipedia mit einiger Erheiterung, daß Mangel an Ästhetik als satanische Todsünde gilt. Ich betrachtete dies schon immer als vor allem wichtigste säkulare Verfehlung überhaupt. Ferner erheiterte mich die Maxime Wenn dich ein Gast in deinen Räumlichkeiten belästigt, behandle ihn grausam und ohne Gnade, ein Wahlspruch, den ich meine Haushälterin anwies in sämtliche Sofakissen zu sticken. Mal abgesehen davon, daß ich mir nichts aus Schafsblut, dem despektierlichen Umgang mit Jungfrauen und ähnlichem abgeschmacktem Brimborium mache, ist Satanismus m.E. lediglich ein stimmungsvolles Sujet für Paperbacks mit Goldprägebuchstaben, sowie für Filme, die auf RTL2 ausgestrahlt werden; als ernst zu nehmender spiritueller Ansatz kann dieser alberne Mummenschanz nebst schaurigem Geraune (überhaupt, die Anbetung eines Querulanten des Himmels) nicht durchgehen, zieht doch der Satanismus seine Raison d’etre direkt aus dem Christentum – der Negierung des Christentums und ist somit per se abzulehnen, da ich auch jene Menschen strikt ablehne, die sich als Antifaschisten bezeichnen oder als Vegetarier. Seine Person über das Unterlassen einer Handlung (also Negerklatschen oder Bratwurstessen) zu definieren ist armselig und deutet auf einen dürftigen Charakter hin.
Der Verzehr von Fleisch ist jedoch insofern problematisch, ja unappettlich, als das der Verbraucher stets im ungewissen ist, ob er Nahrung zu sich nimmt, die kürzlich noch von Jörg Haider beseelt war. Ich liebe also dieses höchst unhöfliche rumfuhrwerken in der Reinkarnation von Seelen nicht, einem Gentleman verbietet sich folglich der Genuss von tierischem Gewebe.



26. November 2008