Schottersauger
An manchen Stellen der Stadt verlaufen die Straßenbahnlinien in einem klassischen Gleisbett. Schienen und Schwellen sind hier auf grob gebrochenem Granit gelagert, wohl auch des gefälligen Aussehens halber. Mit der Zeit sammelt sich von Hand schlechter Fahrgäste oder gar nur an der Haltestelle Herumlungernder allerhand Unrat im Schotter – namentlich die Filter achtlos fortgeworfener Zigaretten. Wenn es wieder recht liderlich aussieht, ist die Stunde der Schottersauger gekommen. Drei Männer sind mit dieser Arbeit betraut, sie bedienen sich dabei einer großen und sehr lauten Saugmaschine. Ein giftgrün lackierter Speziallastwagen, der langsam neben den Gleisen entlangfährt, gelenkt von einem Mann, der unsichtbar bleibt, dem aber von den anderen beiden unablässig recht barsch entsprechende Anweisungen bezüglich der Steuerung zugebrüllt werden. Das Gefährt verfügt über einen fernsteuerbaren Ausleger aus Metall mit zahlreichen Scharnieren, die der guten Anpassung an den Untergrund dienen. In die Mitte des künstlichen Saugarmes ist ein flexibles, schwarzes Kunststoffrohr eingelassen, welches in den, aus allen Ritzen Staub ausstoßenden, Korpus, der von Diesel betriebenen, Maschine führt.
Einem der beiden Arbeiter obliegt es nun den heftig vibrierenden Saugstutzen zu führen; kein leichtes Unterfangen, entwickelt doch der rüsselhafte Ausleger ein deutliches Eigenleben, bald hierhin, bald dorthin strebend, will er stets sein Haupt aus dem besudelten Kanal erheben. Der Rüsselbändiger hat schwere Arbeit zu leisten, wird mitunter von dem überdimensioniertem Sauger fortgezogen, muß schnaufend das Rohr mit aller Macht wieder in sinnvolle Bahnen zwingen, daß ihm der Schweiß in Strömen über den muskulösen Rücken rinnt. Der dritte Mann kann verschnaufen, gelegentlich mit einer Warnfahne winken und begriffsstutzige Autofahrer anbrüllen. Nachher wird gewechselt. Man grüßt sich mit den Straßenbahnfahrern, ganz lässig, hier Tachchen da, aha Schottersauger, alles klärchen.









