Hightatras

Schottersauger

An manchen Stellen der Stadt verlaufen die Straßenbahnlinien in einem klassischen Gleisbett. Schienen und Schwellen sind hier auf grob gebrochenem Granit gelagert, wohl auch des gefälligen Aussehens halber. Mit der Zeit sammelt sich von Hand schlechter Fahrgäste oder gar nur an der Haltestelle Herumlungernder allerhand Unrat im Schotter – namentlich die Filter achtlos fortgeworfener Zigaretten. Wenn es wieder recht liderlich aussieht, ist die Stunde der Schottersauger gekommen. Drei Männer sind mit dieser Arbeit betraut, sie bedienen sich dabei einer großen und sehr lauten Saugmaschine. Ein giftgrün lackierter Speziallastwagen, der langsam neben den Gleisen entlangfährt, gelenkt von einem Mann, der unsichtbar bleibt, dem aber von den anderen beiden unablässig recht barsch entsprechende Anweisungen bezüglich der Steuerung zugebrüllt werden. Das Gefährt verfügt über einen fernsteuerbaren Ausleger aus Metall mit zahlreichen Scharnieren, die der guten Anpassung an den Untergrund dienen. In die Mitte des künstlichen Saugarmes ist ein flexibles, schwarzes Kunststoffrohr eingelassen, welches in den, aus allen Ritzen Staub ausstoßenden, Korpus, der von Diesel betriebenen, Maschine führt.

Einem der beiden Arbeiter obliegt es nun den heftig vibrierenden Saugstutzen zu führen; kein leichtes Unterfangen, entwickelt doch der rüsselhafte Ausleger ein deutliches Eigenleben, bald hierhin, bald dorthin strebend, will er stets sein Haupt aus dem besudelten Kanal erheben. Der Rüsselbändiger hat schwere Arbeit zu leisten, wird mitunter von dem überdimensioniertem Sauger fortgezogen, muß schnaufend das Rohr mit aller Macht wieder in sinnvolle Bahnen zwingen, daß ihm der Schweiß in Strömen über den muskulösen Rücken rinnt. Der dritte Mann kann verschnaufen, gelegentlich mit einer Warnfahne winken und begriffsstutzige Autofahrer anbrüllen. Nachher wird gewechselt. Man grüßt sich mit den Straßenbahnfahrern, ganz lässig, hier Tachchen da, aha Schottersauger, alles klärchen.

Celeste

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Dachs in der Stadt

Füchse sind schon seit langem, auch vermehrt abseits von S-Bahntrassen und langgestreckten Grünzügen, in der Stadt anzutreffen. Heute sah ich zum ersten Mal, wenn auch nur kurz, einen Dachs in Berlin. Das marderartige Tier, mit dem charakteristisch schwarzen Streifen im ansonsten weißen Gesichtsfell, wohnt im maroden Fundament einer verfallenen Baracke. Sehe ich aus dem Fenster nach links, so erblicke ich ein, abends durch rote Baustellenlampen gesichertes, stetig größer werdendes, gähnendes Loch im Asphalt, welches mittlerweile die Größe eines Kleinwagens erreicht hat. Spurlos verschwindendes Erdreich sorgt für, hoffentlich dauerhafte, Verkehrsberuhigung. Man erlaubt den Kindern mit dem Fahrrad auf der Straße zu spielen, Federball, usw. Richtung Nordwesten hatte die Sonne, spät nachmittags, einen anscheinend langsam fortschwebenden neuen Satelliten, eigentlich die detailarme Silhouette eines Fesselballons, der seine goldbraune Farbe lediglich durch die Reflexion glühender Felder erhielt. Sonst wolkenlos, mit scharfen violettroten Schnitten, in der, das zunehmend gesättigtere Cyanblau überlagernden, gelbgrau städtischen Dunstglocke. Flieger unterwegs nach Moskau oder Stockholm. Einmal auch Nordlichtsichtungen aus dem Küchenfenster.

Ein sehr einfaches christliches Weltmodell

Durch das dürre Hinterland windet sich ein staubiger Weg hinauf zu einem, auf einer Anhöhe, nahe des Meeres, gelegenem Stauferkastell. Die den Herrschaftssitz begrenzenden arabischen Türme sind stets weithin sichtbar und scheinen in Folge eines optischen Phänomens oft über der rotbraun kargen Erde zu schweben. Die schattenlos Wandernden werden von einer goldenen Kutsche überholt, gezogen von mageren Eseln. Sobald das Ziel erreicht ist, der Fußgänger, noch ungläubig, seine Hände an das trutzige Gemäuer legt, umfängt ihn ein kühler Wind vom Atlantik her. Hinter den meterdicken Mauern verbergen sich angenehm kühlende Gärten aus tropischen Pflanzen und raffiniert plätschernde Wassersysteme. Ein wohlhabendes hanseatisches Handelsgeschlecht hat die Anlage gekauft und nach eigenen Vorstellungen erweitern lassen. Wie ein Keil aus Stahl und Glas treibt sich ein Neubau durch die Mauern und den schönen, in persischem Stile, gefliesten Hof – ein Einkaufszentrum, das nächtens illuminiert wird, wie ein modernes Seezeichen. Tief unter der Erde hat man einen unterirdischen Hafen errichten lassen, die Einkaufsmeile ist so, vermittels eines Fahrstuhls, für Yachtbesitzer behaglich zu erreichen. Hier, unter der Erde, in einem Untergeschoß auf Höhe des Meeresspiegels, steht ein vielleicht fünf auf fünf Meter messender gläserner Kubus, der eine höchst realistische Modelleisenbahnanlage enthält. Wo auch immer der Blick hinfällt, bewegen sich, neben zahlreichen Eisenbahnzügen, winzigste Details, wie Menschen die ihrem Tagwerk nachgehen, Maschinen und im Winde wogende Kornfelder.

Eine Stadt mit Fabriken, Fußballstadion und zahllosen, an den Hängen hochwachsenden, Bürgerhäusern, alles überragt von einem stattlichen Dom. Nach oben verliert sich die künstliche Atmosphäre in gleissender Helligkeit, nach unten, der Betrachter, kann Dank der, den Kubus bildenden, Glasscheiben auch unter die Erde blicken, zeigt sich ein finsteres, höhlenartiges System, durchflossen von Acheron, dem Strom der Unterwelt, der träge an die begrenzende Glasscheibe flutet. Ganz unten, wo der Kubus an den Fußboden stößt, wird, vermittels Licht und Farbe, die wogende Magma des Erdinneren simuliert. Alles hier wird mittelbar getrieben von filligranster Nanotechnik und moderner Elektronik. Abrupt, wie von unsichtbarer Hand, stoppen Schnellzüge in voller Fahrt, die eben noch drohten einen, die Gleise passierenden, Miniatur-Kraftwagen zu erfassen. Ein Fußballspieler wird, von der Wucht seines eigenen Fallrückziehers, aus dem Stadion, hoch in die Luft geschleudert und landet in der Oberleitung einer allgegenwärtigen Bahnlinie. Sein Leib vergeht sogleich in einem weißen Lichtbogen. Noch ehe ich den, mittlerweile neben mir stehenden, Erfinder nach den Plänen bezüglich einer hinduistischen Version dieses Publikumsmagneten befragen kann, drängt sich das Geräusch eines Rasenmähers in den Vordergrund.

Wespen!

Im Rahmen einer Fernsehübertragung windet sich ein Sportler heftig grimassierend auf dem Rasen, flankiert von einem weiteren Athleten in andersfarbigem Trikot, welcher überrascht über den schlimmen Verdacht der unvermittelt auf seinen Schultern zu lasten beginnt, die Arme ausbreitet, so hündischen Blickes um Nachsicht beim Unparteiischen buhlend. Solche schmierenkomödiantischen Intermezzi sind leider sattsam bekannt, ich plane mich daher kurz einer Wespe zu widmen, die durch das geöffnete Fenster in den Luftraum des Zimmers eindrang und bald die erste Halbzeit damit zubrachte, wiederholt, vielleicht 8000 mal, aus eigenem Antrieb, gegen einen geschlossenen Fensterflügel zu prallen. Im Handumdrehen bin ich also, mich aus meinem behaglichen Sessel erhebend, am Schreibtisch, ergreife eine hier eigens zur Kerbtierrettung bereitgehaltene, schöne Ansichtspostkarte, die in einer meisterhaften Photographie, das jenseits der Innsbrucker Stadtgrenze jäh aufragende Massiv der Nordkette zeigt, eile mit diesem einfachen und dennoch wirksamen Werkzeug zum Fenster um das Tier in seinem Ringen um Freiheit zu unterstützen. Aber nein, die Wespe wünscht eine derartige Hilfe gar nicht, entwindet sich vielmehr konsequent meiner barmherzigen Maßnahme um weiter dem sinnlosen Kräftemessen zwischen Chitin und Glas zu frönen.

Der Mensch scheidet außen von innen, lässt weitere tausend Jahre später Türen und Fenster in seine Behausungen ein, macht sich das Feuer gefügig, transformiert darin Erz zu Werkzeugen, Met wird sukzessive von Fanta verdrängt, es folgt der dreißigjährige Krieg, Adolf Hitler, Mondlandung und die Arbeitsmarktreform Hartz IV, alles Sachverhalte die der Wespe offenbar spurlos an ihrem kleinen stacheligen Arsch vorbei gingen, ihr bereitet schon das Erfassen der Beschaffenheit von Fensterglas die ärgsten Probleme. Wer sich in dieser Form der Mutation, als entscheidendem Faktor im evolutionären Reifeprozess, widersetzt und zudem den denkbar schlechtesten Zugang zu einfachsten Lerntechniken hat, darf wohl zurecht bestenfalls als lebendes Fossil bezeichnet werden. In all ihrer stoischen Beschränktheit werden Wespen wohl auch nach dem nächsten Atomkrieg – oder anderen apokalyptischen Großereignissen – ihre ewige Suche nach Kirschkuchen vollkommen unverändert fortführen.

Thin Lizzy

Im Treppenhaus poltert es. Der Vater von M kommt noch einmal herein auf dem Weg von der Kneipe ins Bett, nutzt den Wendepunkt einer Torkelamplitude um sich seufzend in einen abgewetzten sandfarbenen Sessel fallen zu lassen. Ein langer Flur, an den Wänden gedruckte Genreszenen, Fuchsjagden und Stillleben, viel totes Geflügel, kringelig halbgeschälte Zitronen und hyperrealistische Insekten. Schmiedeeiserne Türklinken zu beiden Seiten, in den angrenzenden düsteren Räumen sind schemenhaft schwere, altdeutsche Möbel zu erahnen. Durch das schmale Klofenster am Ende des Ganges ein nebliger Blick über Heizöllager, Schrotthöfe und Sondermüllannahmestellen nach Osten. Die blitzenden Signallichter auf dem Kühlturm des neuen Kraftwerks haben heute einen irisierenden Hof. Kalter Rauch krümeligen Marokkaners wird vom stakkatohaften Rhythmus doppelbassbetonter Rockmusik aus Übersee in turbulente Muster versetzt. Die vermeintlich apathischen Wasseraugen des Vaters von M sind in Wirklichkeit ein Indiz für längeres, konzentriertes Zuhören. Nicht schlecht, sagt er, eine Branntweinfahne ausstoßend und träge mit dem Haupte wippend. Eine Pause entsteht. Aber nüscht gegen Thin Lizzy, sein Kopf mit der fortschreitenden Glatze sinkt langsam auf die Brust, er beginnt umgehend zu schnarchen.

Hoffenster

Wieso fahren sie nicht mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbei?, werde ich gefragt, die dicken Finger seiner behaarten Rechten schließen sich fester um eine Handgelenktasche. Mein entgegenkommendes Fahrverhalten, auf dem zur Mischnutzung ausgewiesenen Weg, geht ihm nicht weit genug. Ein Mann, der es gelernt hat mit konstant hohem Adrenalinspiegel zu leben, in seiner Blutbahn kocht es seit Jahrzehnten. Neulich durchquerte ich ein, in Urwaldumgebung eingebettetes, Sumpfgebiet, und beschließe spontan von Reisen in die Tropen zunächst abzusehen. Mein von Schweiß benetzter Leib ist eingehüllt in eine regelrechte Wolke blutgieriger Insekten. Ein hier, in der Mitte des Weges, halb verborgen in wild wucherndem Gras, lagerndes, ob der Hitze mattes Reh zeigt sich verwundert über mein unvermutetes Auftauchen und entschließt sich die weitere Entwicklung mit Contenance abzuwarten. Als ich das Tier direkt, betont sanft anspreche ergreift es mit langen Sprüngen die Flucht ins modrige Unterholz.

Am nördlichen Ende meines langen Flures ist in die Wand ein schmales Fenster eingelassen, daß sich zu einem engen Hof öffnet. Beim Transit durch den Flur, werfe ich stets, einer Gewohnheit folgend, einen kurzen Blick zur Seite in die Küchen der Mietparteien gegenüber. Die neue Nachbarin hat Barhocker aufgestellt und einen Klapptisch an der Wand befestigt. Mobiliar, daß Bistroatmosphäre erzeugen soll, nun übergossen von zwei Busenfreundinnen von rubensscher Gestalt, die behaglich Platz genommen haben und in Zigarettenrauch gehüllt, plaudernd die Köpfe zusammenstecken. Wichtige Schriftstücke und von Urlaubsinseln gesendete Postkarten sind mit verblüffend, mitunter auch drollig geformten Magneten an der Tür des großzügig bemessenen Kühlschranks befestigt. Eine Etage tiefer, lehnt eine älter wirkende Frau in Unterwäsche aus dem Küchenfenster, ihre Hände zittern stark, obwohl sie versucht diese zwischen Körper und Fensterbrett einzuklemmen. Eine weitere Zeugenaussage bezüglich der Messerstecherei neulich würde sie nervlich nicht durchhalten sagt sie erwidernd zu einer Stimme aus dem Off, der Gesprächspartner befindet sich in einem für mich nicht einsehbarem Bereich.

Voyeurismus aus der eigenen Wohnung lässt sich übrigens sehr leicht legitimieren. Einfach ein Kissen ins Fenster legen! Notorisches Glotzen und offensives Anstarren scheint so ohne Verlust gesellschaftlicher Reputation möglich zu sein.

Bannbulle wider den Gilb

Im Treppenhaus wabert brühwarm träge der Abdunst naher Wirtschaftsräume. Undurchdringlich und garküchenhaft, mit Haarspray versetzter kalter Rauch, der Darmtrakt des Hauses. Gestern abend lehnte ich mich, während sich bereits der Einbruch der Dunkelheit Zwielicht ankündigte, aus dem Fenster, eine leichte Brise strich um das Objekt, die Sonne war soeben in den phantastischsten Rottönen hinter dem unweit westwärts gelegenem Alt-Neubaugebiet versunken. Das Haus bildet mit benachbarten Häusern Schluchten von mittlerer vertikaler Ausdehnung, in die sich, dieser Tage, Mauersegler mit gellendem Schrei und in gewagtester Manier zur Insektenjagd stürzen, die, als Nahrung begehrten, Kerbtiere sind hier, mitunter vergeblich, auf der Suche nach kühlend schutzbietenden Ritzen. Aus diesen menschgemachten Tiefen, dringt nun, leicht verweht, ein sehr komplexer Geruch, die noch warme Fassade schwitzt den Odem der dahinter brütenden Wohnräume aus. In den kühlenden Dunst rasensprengerfeuchter Erde, mischen sich die, zielgruppengerecht von Marktforschern und findigen Chemikern entwickelten, Duftöle hoch spezialisierter Reinigungsmittel, mit denen die einzelnen Mietparteien ihre Wohnräume und Schlafgemächer in Schuß halten.

In diesen Gasmolekülen liegen, nach dem heutigen Stand des Wissens, alle Antworten auf die großen Probleme der modernen, häuslichen Reinlichkeit. Teppichshampoo, auf die Auslegware aufgeschäumt, ein wahrer Wirbelwind mit Atlantikbrise, dessen Ergebnis – dank verbesserter Rezeptur – verblüfft, die gänzlich gilbfreien Gardinen tragen als Zeichen ihrer Güte die bekannte Goldkante. Bügelglanz und Gefrierbrand als untrügliches Indiz unbotmäßigen Handelns. Einfach kurz einwirken lassen, drüberwischen und fertig, an der so behandelten Fläche bildet sich ein gedachter Stern von kürzester Lebensspanne. Das Holz des schönen TV-Schrankes sieht müde aus, den Poren dürstet es jetzt nach einer sehr guten Möbelpolitur mit reichhaltigem Mandelöl zum Beispiel, die Sitzgruppe ist leider Domizil abertausender Milben, die das Möbelstück mit ihrer Anwesenheit und mikroskopischem Stuhl verpesten, nichts blieb unversucht, es ist zum aus der Haut fahren.

Kennst Du die Früchte deiner Heimat?

Heute präsentiert sich das Wetter einmal frühsommerlich, der zartblaue Himmel reichlich bestückt mit gemächlich ostwärts strebenden Cumuluswolken. Meditativ arythmisches Ploppen kraftvoll beschleunigter Tennisbälle bestimmt im lauschigen Stadion die Atmosphäre. In der McPaperramschbude mit angegliedertem Postamt, wird am benachbartem Schalter ein massiger Neger bedient, der mit kringeliger Schrift adressierte Couverts zum Versand einreicht. Im Rahmen des Verkaufsgespräches deutet der Herr auf die Briefmarken und macht offenbar einen Witz. Leider schallt just in diesem Momente verstärkter Kfz-Lärm zur Türe herein, so daß die Posse für mich rein akustisch schwer zu vernehmen ist. Die Schalterkraft indess, die die scherzhaften Worte hörte, kann gedanklich nicht folgen oder ihr gebricht es am geeigneten Sinn für Humor. Es war wohl ein recht guter Witz, dem Scherzenden selbst, steht der Schalk nachhaltig ins Gesicht geschrieben, auch später noch, als er in seiner Geldbörse nach passenden Münzen für die Postwertzeichen sucht, umspielt ein Schmunzeln seine Lippen. Manchmal ist die Welt eben noch nicht bereit für einen Spitzenwitz. Da kann man nichts machen.

An der Kasse des Supermarktes wird eine Aubergine ausgewogen, die ich zu kaufen beabsichtige. Der hinter mir stehende junge Mann, von vielleicht 16 Lenzen, macht einen langen Hals, um den, auf dem Display der modernen Kasse eingeblendeten, Namen der Frucht erkennen zu können, das Gemüse ist ihm wohl nicht vertraut. Sagt der so zu seiner ihn begleitenden Schnitte »Iss ’ne Auubèrrgihne«, also nicht »Ohbèrdjschíene«, sondern eben so wortwörtlich wie es dasteht, sie so »’Ne Auubèrrgihne?«. Haha, köstlich oder? Der Kassierer muss in einem, für die Mitarbeiter bereit gelegten, kleinen Heft nachsehen um die richtige Nummer einzutippen.

In einem anderen Lebensmittelgeschäft, hier mit SB-Waage, wurde unlängst das Gemüsewaagen-Interface neu gestaltet, alle Tasten sind neuerdings mit entsprechenden Illustrationen bezeichnet, die bisherige Gliederung nach Nummern wurde im Sinne einer barrierefreien Bedienung über Bord geworfen. Leider sind die Illustrationen so Scheiße und die Tasten so doof angeordnet, daß mir mit dieser Maßnahme ein Bärendienst erwiesen wurde.

Es folgt nun ein Fastfood-Schlemmertip, der sich um ein herzhaftes Gemüsesuppenrezept dreht. Die Zutaten rekrutieren sich aus Frühlingszwiebeln, Erbsen oder Mais, ferner einem Liter Gemüsebrühe sowie einer mittleren Knolle Ingwer und reichlich Chili, optional mit Sternchen- oder Buchstabennudeln als kohlenhydratreiche Suppeneinlage. Kleinschneiden, raspeln und kochen. Zack, 15min, Fertig. Die frühlingshafte Suppe wird mit eiskaltem Löwenbräu serviert. Ein Bier, daß steht und fällt mit seiner Flaschentemperatur.

U-Boothafen

Mit einem Schneemobil auf nächtlicher Flucht in endlosem borealen Nadelwald. Eine rasende Irrfahrt durch labyrinthische Kiefernhaine mit ungewissem Ziel. Angeregt von Illustrationen in einem deutschen Kinderbuch der vierziger Jahre begebe ich mich tauchend in die Tiefen finsterer, sauerstoffarmer Gewässer, auf der Suche nach geheimen unterseeischen Häfen der deutschen Wehrmacht. Ein ausländischer Geheimdienst nimmt mich umgehend in Gefangenschaft. Später, während einer Fahrstuhlfahrt tief unter dem Meeresspiegel, Befreiung durch eine mysteriöse Doppelagentin vermittels Jiu Jitsu. Adolf Hitler arbeitet in einem kleinen kabuffartigen Nebengelass beim Schein einer schwachen Glimmlampe und möchte nicht gestört werden. Rings um die submarine Basis liegen in trübem Gestade zahllose U-Bootwracks auf dem Seeboden.

Ein Londoner Vorort in den späten Siebzigern. In einem Reihenhaus aus Backstein findet werktags nachts eine exzessive Party statt. Vor dem Haus geparkte, goldene Motorroller werfen lange und scharfe Schatten auf den Boden. Die Gäste sind stark und androgyn geschminkt, bekleidet mit glitzernden Kostümen nebst entsprechenden Plateauschuhen. Man lagert narkotisiert auf Sitzsäcken, oder tanzt mir bislang unbekannte Tänze. Als ich aus der Küche mit zwei kleinen Schalen thailändischer Suppe zurückkehre, ist die Doppelagentin spurlos verschwunden.